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Helmut Reinalter (Hrsg.)

Aufklärung und Fundamentalismus

Innsbruck/Wien/Bozen: Studien Verlag 2007 (Interdisziplinäre Forschungen 18); 55 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-7065-4333-0
Der Schwerpunkt der Beiträge liege auf der Untersuchung „des komplexen Verhältnisses zwischen Fundamentalismus und Aufklärung“ (7), schreibt der Herausgeber. Hierzu werden neben Ausführungen zu Entwicklung und Form der Aufklärung die Grundlagen fundamentalistischer Gedankenmuster, der Faktor der Kultur, die Ursachen der Ausbreitung fundamentalistischer Denkarten sowie die Bedrohung der Demokratie durch den Fundamentalismus analysiert, um sodann eine mögliche Antwort für den Umgang zu finden. Diese Antwort liege mit dem Konzept der „reflexiven Aufklärung“ vor, so Reinalter. Die Aufklärung bilde durch ihr offenes undogmatisches Denken einen Gegenpol zum Fundamentalismus, der eine Betonung der absoluten Wahrheit einerseits und eine Ablehnung moderner Konzepte wie Toleranz und Pluralismus andererseits vollziehe. In fundamentalistischer Denkweise finde sich zumeist ein geschlossenes Weltbild, in dem die einzelnen Wahrheiten so eng verknüpft seien, dass, wenn man an nur einem Teil zweifeln würde, das ganze Gebilde einstürzen könne (alt. einzustürzen drohe). Zusätzlich falle der Missionsdrang, der die von den Fundamentalisten konstruierte Wirklichkeit in die Welt bringen wolle, ins Auge. Die „reflexive Aufklärung“ als mögliche Antwort des Umgangs beider Phänomene miteinander sehe sich ausgehend von der historischen Aufklärung als eine sich stets weiterentwickelnde Form der Selbstaufklärung, die sich ständig selbst kritisch in Frage stelle, um nicht zur bloßen Ideologie zu verkommen. Da aber die Phänomene von Fundamentalismus und Aufklärung sich in letzter Instanz gegenseitig ausschlössen, könne, wenn überhaupt, allein der Schritt der Verständigung aus der Richtung der „reflexiven Aufklärung“ kommen, da ihr eine Toleranz, letztendlich ein „auf andere Zugehen“ zugeschrieben werde. Wie ein Dialog zwischen beiden aussehen könnte, bleibt offen. Der Herausgeber gibt zu, dass es, wenn es denn dazu käme, sehr schwierig wäre, einen solchen zu führen. Die Beiträge des Bandes wurden auf einer Konferenz 2001 an der Universität Klagenfurt vorgestellt.
Timo Freudenberger (TF)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.2 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Timo Freudenberger, Rezension zu: Helmut Reinalter (Hrsg.): Aufklärung und Fundamentalismus Innsbruck/Wien/Bozen: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/26342-aufklaerung-und-fundamentalismus_30684, veröffentlicht am 03.12.2007. Buch-Nr.: 30684 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken