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Jana Windwehr

Außenseiter oder Wegweiser? Norwegen und die Schweiz im europäischen Integrationsprozess

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Wissenschaft 2011 (Grenzgänge – Politikwissenschaftliche Perspektiven); 302 S.; 32,80 €; ISBN 978-3-89974727-0
Politikwiss. Diss. Erlangen; Begutachtung: J. Varwick, E. Keynes. – Trotz einiger Anläufe sind Norwegen und die Schweiz bis heute keine EU-Mitglieder. Allerdings sind sie seit 1973 durch ein Freihandelsabkommen mit ihr (bzw. zuvor mit der EG) verbunden. Norwegen ist zudem als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) ein enger Partner der EU. Die Schweiz hat nach der Ablehnung des EWR-Abkommens in der Volksabstimmung von 1992 in mühsamen Verhandlungen zwei Pakete mit bilateralen Abkommen ausgehandelt, die viele EWR-Details nachformen, materiell aber häufig unterhalb von dessen Niveau bleiben. Zudem sind beide Staaten (wie auch Island und Liechtenstein) Mitglied des Schengen-Raums. Es stellt sich aber immer wieder die Frage, wie der Status quo an neue Herausforderungen angepasst werden kann. In ihrer vergleichenden Studie untersucht Windwehr, gestützt auf einen politikwissenschaftlichen Theoriemix, zunächst die Gründe für das Abseitsstehen Norwegens und der Schweiz und macht neben historischen auch wirtschaftliche und politisch-institutionelle Gründe sowie den Faktor Identität aus. Im umfangreichen zweiten Teil analysiert sie die Alternativkonzepte. Untersucht werden neben der wirtschaftlichen Kooperation und Verflechtung auch die außen- und sicherheitspolitische Dimension der Beziehungen zur EU sowie die Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Inneres. Reizvoll ist der Blick auf die zunehmende Europäisierung der beiden politischen Systeme und damit auf eine Dimension, die seit rund zwanzig Jahren verstärkt in den Blick der politikwissenschaftlichen Forschung über EU-Drittstaaten genommen wird. Eine (Zwischen-)Bilanz zeigt, dass sowohl Norwegen als auch die Schweiz beachtliche Zugeständnisse der EU erzielen konnten. Beide verzichten jedoch mit diesen Konzepten zur Wahrung ihrer Souveränität durch die enge Kooperation (und Verflechtung) mit der EU gleichwohl, vermutlich permanent, freiwillig auf Souveränität, ohne dass dem ein entsprechend starkes Mitsprache- und Mitentscheidungsrecht im EU-System gegenübersteht. Insofern ist die von Windwehr diskutierte Frage, ob das norwegisch-schweizerische Modell für andere Drittstaaten ein taugliches politisches Konzept sein könnte, eher eine akademische.
Burkard Steppacher (BKS)
Prof. Dr., Konrad-Adenauer-Stiftung; Forschungsinstitut für Politische Wissenschaft und Europäische Fragen, Universität zu Köln (http://www.jeanmonnetchair.uni-koeln.de/index.php?id=252).
Rubrizierung: 4.22 | 2.5 | 2.61 | 3.1 Empfohlene Zitierweise: Burkard Steppacher, Rezension zu: Jana Windwehr: Außenseiter oder Wegweiser? Schwalbach/Ts.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34374-aussenseiter-oder-wegweiser_41276, veröffentlicht am 15.12.2011. Buch-Nr.: 41276 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken