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Carl-Schmitt-Gesellschaft (Hrsg.)

Beiträge zu Leben und Werk Carl Schmitts. Band II

Berlin: Duncker & Humblot 2014 (Schmittiana. Neue Folge ); 316 S.; 59,90 €; ISBN 978-3-428-14237-8
Mit dem zweiten Band der neuen Folge der Schmittiana (siehe auch Buch‑Nr. 41591) wird erneut eine Reihe kleinerer Briefwechsel und Vorträge Carl Schmitts publiziert. Am umfangreichsten sind hierbei Schmitts Korrespondenz mit Joachim Ritter, bearbeitet von Mark Schweda, und die Kontakte mit den Universitätsphilosophen der Weimarer Zeit, aufbereitet von Reinhard Mehring. Die Nachkriegswirkung von Schmitt entfaltete sich weitgehend jenseits offizieller Foren (siehe Buch‑Nr. 19408), unter anderem über den Kreis um Ritter in Münster, vor dem Schmitt im März 1957 erstmals persönlich vortrug. Von liberal orientierten Ritter‑Schülern wie Ernst‑Wolfgang Böckenförde und Hermann Lübbe wurden dabei „die von Schmitt ursprünglich in liberalismuskritischer Absicht eingeführten Konzeptionen […] im Sinne souveräner Rechtsstaatlichkeit fruchtbar gemacht […], […] parlamentarismustheoretisch eingefasst […] oder unter umgekehrten geschichtsphilosophischen Wertvorzeichen integriert“ (217 f.). In der Weimarer Zeit waren demgegenüber die Kontakte Schmitts zur Universitätsphilosophie stark begrenzt geblieben: „Eine echte Korrespondenz über einen längeren Zeitraum hinweg gab es wohl nur mit Eduard Spranger und Eric Voegelin[.]“ (120) Nach einer anfänglich kollegialen Beziehung war Spranger, der anders als Schmitt Distanz zum Nationalsozialismus hielt, 1945 am Verfahren zur Entlassung Schmitts aus dem Staatsdienst beteiligt. Ein Großteil des Briefwechsels ist allerdings nicht erhalten. Thomas Marschler legt eine frühere Fassung von Schmitts Kölner Antrittsvorlesung „Reich – Staat – Bund“ vom 16. Juni 1933 vor, die dieser unter dem Titel „Bund, Staat und Reich“ wenige Monate zuvor, nämlich am 22. Februar, bei der Berliner Politischen Gesellschaft gehalten hatte. Marschler widmet sich damit einem „Schlüsseltext“ und einem „Schlüsseljah[r]“ (19) in der Schmitt’schen Biografie. Der Staatsrechtler hatte sich in der Rede jeweils mit dem Urteil des Leipziger Staatsgerichtshofs zum sogenannten Preußenschlag vom 20. Juli 1932 auseinandergesetzt. Bereits die Umstellung im Titel zeigt eine gewisse Umgewichtung in Schmitts Position nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten an: „Das neue Reich unter Führung Hitlers, so ist Schmitt nun überzeugt, ist zugleich erstmals in der deutschen Geschichte ein einiger, politisch entschlossener und handlungsfähiger Staat geworden.“ (18 f.)
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Carl-Schmitt-Gesellschaft (Hrsg.): Beiträge zu Leben und Werk Carl Schmitts. Band II Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37092-beitraege-zu-leben-und-werk-carl-schmitts-band-ii_45548, veröffentlicht am 15.05.2014. Buch-Nr.: 45548 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken