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Klaus Kamps / Meredith Watts (Hrsg.)

Biopolitics - Politikwissenschaft jenseits des Kulturismus. Liber Amicorum Heiner Flohr. Mit Übersetzungen von Margarete Dresen

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 1998; 252 S.; brosch., 85,- DM; ISBN 3-7890-5734-7
Der an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf lehrende Politikwissenschaftler Flohr hat sich in den 70er Jahren vor allem mit Voraussetzungen "rationaler" Politik und Möglichkeiten wissenschaftlicher Politikberatung befaßt, seit den frühen 80er Jahren jedoch stehen Fragen einer Biopolitics im Zentrum seines Interesses. Dabei wird Biopolitics nicht - wie etwa in neueren Ansätzen der sogenannten "Soziobiologie" - als Umschreibung eines Reduktionismus verstanden, der politische Phänomene auf ein vermeintlich naturalistisches Fundament zurückführen will. Biopolitics gilt vielmehr - in der Perspektive von Flohr ebenso wie in der der meisten Beiträge dieser Festschrift - als Plädoyer, die Politikwissenschaft von einer "kulturistischen" Blickverengung zu befreien, die Handeln und Institutionen stets nur als "sinnhaft" - kulturell - bedingt analysieren will. Es handelt sich also weniger um ein eigenständiges Erklärungskonzept, das mit etablierten Ansätzen der Politikwissenschaft konkurrieren will, sondern eher um den Versuch einer Öffnung der Disziplin für Ergebnisse der "Life-Sciences". In dieser Absicht behandeln die Beiträge teils politiktheoretische Grundlagen, teils empirische Problemstellungen etwa der Konflikt- oder Kommunikationsforschung und der Internationalen Politik. Inhalt: I. Allgemeine theoretische Implikationen: Gebhard Geiger: Adaptives und intentionales Verhalten. Wissenschaftstheoretische Anmerkungen zum Verhältnis von Bio- und Sozialwissenschaften (29-38); Albert Somit / Steven A. Peterson: Die Natur der menschlichen Natur. Wo Evolutionstheorie und Politische Philosophie sich treffen (39-54); Robert H. Blank: Die Zukunft des freien Willens in einem neurogenetischen Zeitalter (55-70); Glendon Schubert: Das Neandertal, der Neandertaler und die Ursprünge des Menschen (71-86). II. Soziale und sozialpolitische Probleme: Anne Katrin Flohr: Die Entstehung von Nationenbildern. Mit Beispielen aus dem niederländischen Deutschlandbild (89-96); Peter Meyer: Zur Persistenz ethnischer Solidarität. Evolutionsbiologische Perspektiven (97-118); Meredith Watts: Pubertät und Politik (119-132); Tatu Vanhanen: Soziale Probleme und Biopolitics (133-144). III. Politische Kommunikation: Klaus Kamps: Mensch und Medien (147-158); James N. Schubert / Carmen Strungaru / Margaret Curren / Wulf Schiefenhövel: Physische Erscheinung und die Einschätzung von politischen Kandidatinnen und Kandidaten (159-176). IV. Internationale Politik: Vincent S. E. Falger: Biokulturelle Perspektive und Internationale Beziehungen (179-192); Klaus Lompe: Globalisierung, Regionalisierung und demokratische Politik (193-206); Gerhard W. Wittkämper: Biopolitics und globale Umweltpolitik. Der europäische Umweltraum als Vorreiter (207-214); Biographie und Bibliographie von Heiner Flohr (219-226).
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 1.1 | 5.2 | 1.3 | 4.45 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Klaus Kamps / Meredith Watts (Hrsg.): Biopolitics - Politikwissenschaft jenseits des Kulturismus. Baden-Baden: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/7599-biopolitics---politikwissenschaft-jenseits-des-kulturismus_10098, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10098 Rezension drucken