Johannes Lahner

Boombranche kommerzielles Lobbying? Eine komparative Studie über das kommerzielle Lobbying in den USA und Deutschland anhand der Automobilbranche

Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2013 (Wirtschaftspolitik in Forschung und Praxis 68); 453 S.; 119,80 €; ISBN 978-3-8300-7406-9
Politikwiss. Diss. Regensburg; Begutachtung: M. Sebaldt. – Der Titel indiziert die Leitfrage dieser Studie, wobei Johannes Lahner den Boom‑Begriff nur oberflächlich operationalisiert: Für elementar hält er den „Faktor Zeit“. Von einer „boomende[n] Branche“ könne erst dann gesprochen werden, „wenn der starke Anstieg von kommerziellem Lobbying innerhalb einer kurzen Zeitperiode“ (22) geschehe und zudem von hoher Intensität sei. Dass der Autor auf präzisere Ausführungen zum Begriff des Booms verzichtet, ist als gravierendes Defizit zu werten. Die Arbeit gliedert sich in sechs Abschnitte. In den zwei Theoriekapiteln skizziert Lahner nicht nur die Entwicklung des kommerziellen Lobbyings in den USA und in Deutschland, sondern vergleicht auch die politischen Interessenvertretungssysteme beider Staaten. An den Beginn des empirischen Abschnitts stellt er eine deskriptive Übersicht der untersuchten Akteure des Automobilindustrie‑Sektors, wobei für beide Länder jeweils drei Autohersteller (USA: Ford, General Motors, Chrysler; Deutschland: Volkswagen, Daimler, BMW) sowie drei der wichtigsten Zulieferer (USA: Johnson Controls, Goodyear, TRW; Deutschland: Continental, Bosch, ThyssenKrupp) ausgewählt wurden. Daraufhin folgt mit der Überprüfung der zuvor im Theorieteil gebildeten Hypothesen der mit mehr als 120 Seiten umfangreichste Teil der Erörterung, wobei Lahner die postulierte boomhafte Entwicklung von kommerziellem Lobbying in der Automobilbranche anhand dreier Faktorenbündel (Boom als Folge gesellschaftlichen/politischen Wandels; Boom als Folge neuer Akteursbeziehungen; Boom als Folge staatlichen Wandels) untersucht. Das Kardinalproblem der unzureichenden Aufbereitung des in der Theorie schlummernden Erkenntnispotenzials durch den Autor zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Arbeit, die deshalb zwar empirisch durchaus gesättigt ist, jedoch nahezu keine neuen substanziellen Erkenntnisgewinne liefert. Die konzeptionellen Probleme beginnen bereits bei der Formulierung der sechs aus der Theoriedurchsicht abgeleiteten, teils sehr unspezifischen, teils schlichtweg unplausiblen Hypothesen – zum Beispiel Hypothese 2: „Mit der Konfliktfähigkeit einer Gruppe steigt auch das kommerzielle Lobbying“ (93); Hypothese 6: „Neue Kooperationen zwischen Staat und Wirtschaft als Förderer von kommerziellem Lobbying“ (101) – und spiegeln sich auch im wenig aussagekräftigen Fazit wider: „Im Vergleich zu der Situation in den USA liegt in Deutschland ein Boom des kommerziellen Lobbying [sic!] vor.“ (331)
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Rubrizierung: 2.12.222.3312.3422.262 Empfohlene Zitierweise: Ulrich Heisterkamp, Rezension zu: Johannes Lahner: Boombranche kommerzielles Lobbying? Hamburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37944-boombranche-kommerzielles-lobbying_46387, veröffentlicht am 08.01.2015. Buch-Nr.: 46387 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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