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Minh Huy Vu Truong

China as an emerging regional leader? Analyzing China’s leadership projects in Southeast Asia

Bonn: Universitäts- und Landesbibliothek Bonn 2015 (http://hss.ulb.uni-bonn.de/2015/3914/3914.pdf); 275 S.
Diss. Bonn; Begutachtung: R. Kauz, C. Antweiler. – Kaum jemand zweifelt im beginnenden 21. Jahrhundert an der wachsenden Bedeutung Chinas. Ob die wirtschaftlichen und militärischen Fortschritte der Volksrepublik aber automatisch zu ihrer politischen Vormachtstellung führen, fragt Minh Huy Vu Truong in seiner Dissertation. Er vertritt die These, dass vorhandene (materielle und ideelle) Machtressourcen eines Staates nicht automatisch auch seine Führungsposition bedeuten. Vielmehr müsse das Konzept der Führung („leadership“) als dynamischer Prozess begriffen werden, in dem ein aufstrebender Staat die Gefolgschaft („followship“) anderer Staaten in sogenannten Führungsprojekten („leadership projects“) organisiert. Anhand solcher Projekte analysiert der Autor Chinas Führungspotenzial in der südostasiatischen Region. Dabei wird zwischen inklusiven Führungsprojekten, in denen Möglichkeiten zur Mitsprache und materielle Anreize für andere Staaten gegeben sind sowie gemeinsame Ideen geteilt werden, und extrahierten Projekten, in denen dies nicht der Fall ist, unterschieden. Während Erstere den potenziellen Erfolg eines Projektes erhöhen und den „Schlüssel zum chinesischen Erfolg“ darstellen, so die Annahme, senken Letztere diese Chancen. Anhand von sieben Fallstudien, mit denen die Kooperation Chinas mit regionalen Staaten im Zeitraum von 1997 bis 2013 etwa im Bereich Freihandel untersucht wird, zeigt Truong, dass China als „regionale Führungsmacht im Werden“ (17) bezeichnet werden kann. Zwar habe China in vier inklusiven Projekten andere südostasiatische Staaten zur Gefolgschaft bewegen können, die regionale Struktur sei aber weiterhin „weit entfernt von einer echten Dominanz der Volksrepublik“ (20). Den Grund hierfür sieht der Autor in der Tatsache, dass es China bisher nicht gelungen ist, aus seinen Führungsprojekten politisch‑militärische Allianzen zu entwickeln, ein Netzwerk aufzubauen und bestehende Organisationen in seinem Sinne zu transformieren. Die Studie zeigt, wie voraussetzungsvoll und komplex die Entwicklung einer Führungsrolle der Volksrepublik in der Region abläuft und relativiert zugleich (westliche) Ängste vor einer chinesischen Dominanz.
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Rubrizierung: 4.222.684.5 Empfohlene Zitierweise: Sven-Jacob Sieg, Rezension zu: Minh Huy Vu Truong: China as an emerging regional leader? Bonn: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39861-china-as-an-emerging-regional-leader_48309, veröffentlicht am 28.07.2016. Buch-Nr.: 48309 Rezension drucken