Sezgi Cemiloğlu

China's Economic Engagement in Africa. A Case Study of Angola

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2015; XXIX, 217 S.; pb., 51,95 €; ISBN 978-3-631-67035-4
Diss. Bonn. – Afrika hat sich zu einem geostrategisch mehr und mehr relevanten Kontinent entwickelt – und das nicht etwa wegen seiner politischen Stabilität, sondern wegen der dort verfügbaren (Produktions‑)Ressourcen und Bodenschätze. Das lässt das dortige Engagement insbesondere von Schwellenländern, wie China oder Brasilien, als fragwürdig erscheinen: Handelt es sich um ernstzunehmende Entwicklungshilfe oder geht es doch nur um Ausbeutung in einem neuen Maßstab? Vor diesem Hintergrund geht Sezgi Cemiloğlu in einer Fallstudie über Angola der Frage nach, „inwiefern [...] die Volksrepublik [China] Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas genommen“ (XXI) hat. Er analysiert hierzu einige ausgewählte chinesisch‑angolanische Wirtschaftskooperationen in unterschiedlichen Wirtschaftsfeldern. Für die ökonomische Ausgestaltung der Beziehungen zwischen China und Angola seien dabei zwei Instrumente ausschlaggebend gewesen: Das des Tausches von Infrastruktur gegen Rohstoffe und das der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten. Angola, das zerrüttet aus langjährigen Bürgerkriegen hervorgegangen sei, habe so eine Periode relativer Stabilität einläuten können, wobei die „Handelspartnerschaft auf Augenhöhe“ (XXIII), die Cemiloğlu diagnostiziert, der Realität allein schon wegen der immensen Ungleichheit des weltwirtschaftlichen Potenzials der beiden Akteure wohl kaum gerecht wird. Dennoch bleibt der Befund, dass, „entgegen weitläufiger Annahmen, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Angola nicht nur chinesischen, sondern auch angolanischen Interessen dienten“ (165). Angolanische Verantwortliche hätten betont, dass die chinesischen Investitionen nach dem Muster Öl gegen Infrastruktur im Unterschied zu westlicher Entwicklungshilfe eben nicht an politische Bedingungen geknüpft seien und somit Angola ein Maximum an Gestaltungsfreiheit ermöglichten. Dass eine solche Art der ökonomischen Intervention gerade aus wirtschaftsliberaler Sicht, wie sie auch von Cemiloğlu vertreten wird, begrüßenswert erscheint, mag kaum verwundern. Dabei allerdings zu vergessen, dass wirtschaftliche Entwicklung ohne Rechtssicherheit, ohne Grundrechte, ohne Pluralismus und ohne Menschenrechte nur ein ziemlich hohler Ansatz ist, erscheint doch reichlich naiv. Dennoch wird die westliche Entwicklungspolitik auf das letztlich egoistische Wirken Chinas – wer baut vor Ort eigentlich Straßen und Eisenbahnlinien? – eine Antwort liefern müssen.
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Rubrizierung: 4.222.682.67 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Sezgi Cemiloğlu: China's Economic Engagement in Africa. Frankfurt a. M. u. a.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39957-chinas-economic-engagement-in-africa_48181, veröffentlicht am 28.07.2016. Buch-Nr.: 48181 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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