Skip to main content
Antje König

Chinas wandernde Massen. Die rund 200 Millionen Wanderarbeiter und ihre Gründe zur Migration

Marburg: Tectum Verlag 2010; 217 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-2139-2
In China sind geschätzt 150 bis 200 Millionen Wanderarbeiter kontinuierlich auf der Suche nach Beschäftigung. Das enorme Wirtschaftswachstum des Landes fördert diese Entwicklung nach wie vor. Die Autorin spricht deshalb von der „Eskalation ländlicher Arbeitsbewegungen“ (15). Insbesondere Arbeiter aus dem ländlichen Raum werden bevorzugt angestellt, da sie keinen Anspruch auf soziale Absicherungen oder einen Mindestlohn haben. König fragt deshalb nach den Gründen für die Migration trotz der zu erwartenden schlechten Bedingungen in den Städten. Ihre begrifflich anfänglich etwas schwammige Hypothese ist, „dass neben den ökonomischen Gründen wie der finanziellen Lage, vor allem soziale Motive wie die familiäre Verbundenheit oder die Suche nach einem besseren Leben“ (17) zur Wanderarbeit veranlassen. Methodisch bezieht sich die Autorin auf das von Everett Lee erarbeitete Modell der Push- und Pullfaktoren und wertet Interviews, internationale Berichte und statistische Daten aus. Von zentraler Bedeutung sei das chinesische Bevölkerungserfassungssystem Hoku. Darin wird jeder Bürger registriert und ihm wird auch ein Aufenthaltsort zugeordnet. Jedoch wird zwischen ländlicher und städtischer Bevölkerung differenziert, Letztere erhält höhere Löhne, Anrecht auf staatlich unterstützte Unterkunft u. a. m. Letztlich bestimme das System damit auch den sozialpolitischen Status der Menschen für das ganze Leben. Damit, konstatiert König, ist „das Hoku-System das Rückgrat der chinesisch-institutionellen Struktur“ und „trägt elementar zu einer scheinbar puzzelartigen Koexistenz zwischen dem rasant wachsenden Wirtschaftsmarkt und [dem Monopol] der kommunistischen Partei“ (82) bei. Als Anlass zur Migration nennt sie abschließend neben dem zu geringen Einkommen im ländlichen Raum, vor allem die Gruppenwanderungen unter Freunden und Verwandten, wie den Nachzug des Partners.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 | 2.26 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Antje König: Chinas wandernde Massen. Marburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32445-chinas-wandernde-massen_38711, veröffentlicht am 26.07.2010. Buch-Nr.: 38711 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken