Anton Rauscher (Hrsg.)

Das Eigentum als eine Bedingung der Freiheit/Property as a Condition of Liberty

Berlin: Duncker & Humblot 2013 (Soziale Orientierung 22); 328 S.; 89,90 €; ISBN 978-3-428-14169-2
Ausgehend von der – in der Einleitung ideengeschichtlich unsauber hergeleiteten – Überzeugung, der rechtsstaatlich garantierte und durch die soziale Marktwirtschaft abgefederte Besitz von Privateigentum sei „die Bedingung der Freiheit“ (6), bündelt der Band zweierlei Arten von Beiträgen. Die einen setzen sich in grundsätzlicher Weise mit dem Begriff des Eigentums auseinander, die anderen nehmen in philosophischer und politischer Spezifizierung (mit US‑amerikanischem und deutschem Schwerpunkt) die gesellschaftlichen Grenzen und Probleme von Eigentum in den Blick. Die durchweg anspruchsvollen Beiträge weisen eine große inhaltliche Spannweite auf und laden zudem zu kontroverser Debatte ein. Während Anton Rauscher in seinem Beitrag den Zusammenhang von Eigentum und Freiheit näher erläutert und dabei auf einen Locke‘schen Eigentumsbegriff rekurriert – erst aus der Aufwendung von Arbeitskraft entstehe Eigentum und somit ein exklusiver Nutzungsanspruch –, betont William A. Frank die damit verbundene individuelle Verantwortung. Er deutet den englischen Term „one’s own“ (43) als typisch menschlichen Ausdruck einer Aneignung und – wegen der damit einhergehenden Asymmetrie der materiellen Verhältnisse – Verantwortung für andere gleichermaßen. In wesentlich praktischerer Akzentuierung zeichnet Michael Eilfort ein überaus düsteres – gar ideologisches? – Bild: Der Staat, insofern er als Garant individueller und sozialer Sicherheit auftritt, unterminiert die Freiheit, weil er jeden Anreiz auf den Erwerb von Eigentum unterbindet. Dieser neoliberale Staatsskeptizismus mündet konsequent in die Forderung nach Abschaffung des Wohlfahrtsstaats, denn ein Staat, der expansiv Steuern erheben und Schulden aufnehmen muss, um seine Leistungen zu finanzieren, sei für künftige Generationen nichts weiter als eine Hypothek. Bei vielen der Beiträge fällt neben der libertären Grunderzählung eine Kopplung dieses liberalen Individualismus mit Inhalten der katholischen Soziallehre auf. Der Sammelband geht zurück auf das 12. Deutsch‑Amerikanische Kolloquium, das im Juli 2012 stattgefunden hat.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 | 2.3 | 2.331 | 2.21 | 2.64 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Anton Rauscher (Hrsg.): Das Eigentum als eine Bedingung der Freiheit/Property as a Condition of Liberty Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36542-das-eigentum-als-eine-bedingung-der-freiheitproperty-as-a-condition-of-liberty_44788, veröffentlicht am 19.12.2013. Buch-Nr.: 44788 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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