Samir Amin

Das globalisierte Wertgesetz. Übersetzt aus dem US-amerikanischen Englisch und redaktionell bearbeitet von Oliver Walkenhorst

Hamburg: LAIKA Verlag 2012 (LAIKAtheorie 16); 130 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-942281-21-8
Samir Amins Überlegungen zu einer Reformulierung und Adaptierung der marxistischen Werttheorie basieren auf einer Überarbeitung seines Bandes, der 1978 unter dem Titel „The Law of Value and Historical Materialism“ erschienen ist: „Mein wichtigster Beitrag“, so Amin zum Kern seiner theoretischen Innovation, „ist dieser Übergang vom Wertgesetz zum globalisierten Wertgesetz, das auf der hierarchischen – und ihrerseits globalisierten – Strukturierung der Preise der Arbeitskraft und ihren [sic!] Wert basiert.“ (13) Hiervon ausgehend zeichnet er – in strikt marxistischer Perspektive – ein Bild der gegenwärtigen Wirtschafts‑ und Finanzkrise, das diese als notwendige Katastrophenerscheinung eines global entfalteten Kapitalismus begreift, der seinerseits aus immanenten Gründen nicht reformfähig und daher als „naturgemäß instabil“ (102) zum Scheitern verurteilt sei. Nach einer langatmigen Marxexegese kommt Amin – für den allgemeiner interessierten Leser_innen muss man sagen: leider – erst im letzten Fünftel seines Bandes zur tatsächlichen politischen Relevanz seiner Reflexionen. Was spannend überschrieben ist, erweist sich indes als so langatmig und ein Stück weit muss man konzedieren: als so gestrig, wie Teile der vorangegangenen Überlegungen. Alle jenseits des Marxismus existenten Theorien zum oder über den Kapitalismus hätten allesamt versagt. Denn keine von ihnen habe die Funktionen von Entfremdung, Akkumulation und Hegemonie richtig einzuordnen gewusst. Hätten sie es getan, dann hätte auch ihre gegenwartsdiagnostische Einsicht angesichts der „Globalisierung des Kapitalismus“ (108) lauten müssen: „Es gibt keinen Ausweg aus der Krise des Kapitalismus – ein Ausweg aus dem Kapitalismus ist jedoch in Sichtweite und objektiv möglich und notwendig.“ Auch die Richtung ist klar: „Einschlagen des langen Wegs zum Sozialismus“ (109), zunächst durch die Abschaffung des Privateigentums. Wie das gehen soll und wer eine solch fundamentale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft bewerkstelligen könnte, darüber schweigt er sich aus. Dafür wird er im Nachwort in Sachen Nachruhm umso beredter. Könne sein Buch als sechster Band des „Kapitals“ verstanden werden, fragt er unbescheiden, und merkt nicht, dass allein schon die Frage gestellt zu haben den Fragenden aus dem Kreis gängiger politischer Theorie und Ökonomie ausschließt. Indes er antwortet auch: mit einem expliziten Nein, gefolgt von einem „mögen die Lesenden darüber urteilen“ (120). Also doch? Es bleiben mehr Fragen als Antworten.
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Rubrizierung: 5.45 | 4.43 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Samir Amin: Das globalisierte Wertgesetz. Hamburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36747-das-globalisierte-wertgesetz_42045, veröffentlicht am 20.02.2014. Buch-Nr.: 42045 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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