Branislav Radeljić (Hrsg.)

Debating European Identity. Bright Ideas, Dim Prospects

Oxford u. a.: Peter Lang 2014; XVI, 365 S.; 94,20 €; ISBN 978-3-0343-0964-6
Identität ist bekanntlich die Gesamtheit von Merkmalen, die eine Person oder auch einen Gegenstand als individuell und damit unterscheidbar kennzeichnen. Im Rahmen der Debatte um den Nationalstaat ist sie eine der markanten Größen des Nation Buildings. Bemerkenswerterweise wird der Begriff seit den 1970er‑Jahren auch im Kontext der europäischen Integration verwendet, wenn es um die Frage der Finalität Europas oder um die politische Konnotation im Rahmen der Unionsverträge seit 1993 geht. Wie aber ist Identität als Konzept im Rahmen der europäischen Integration zu denken? Ist der Appell an die christlich‑abendländisch‑jüdischen Wurzeln und die Tradition der Aufklärung nicht eine Simplifizierung, bedenkt man die unterschiedlichen politischen Kulturen in den 28 Mitgliedstaaten und die sinkende Zustimmung in deren Bevölkerungen zum Projekt Europa? Diese und eine Reihe weiterer Fragen stehen im Mittelpunkt des von Branislav Radelji? herausgegebenen Sammelbandes, der vielleicht nur zufällig mit dem 20. Jahrestag des Erscheinens von Huntingtons Studie zum Zivilisationskonflikt korreliert. Radelji?, Senior Lecturer für Internationale Politik an der University of East London, versammelt ein interdisziplinäres Autorenteam, das die Identitätsfrage und deren Implikationen für das Integrationsprojekt auf einer breiten theoretischen und empirischen Basis diskutiert. Bislang, so der Tenor, resultiert diese Identität (nur) aus der ökonomischen und politischen Zielsetzung und der damit zu realisierenden Wohlfahrt für die nationalen Bevölkerungen. Auf Dauer ist das aber zu wenig, bedenkt man die unterschiedlichen Demokratieerfahrungen oder die hohen Hürden, die im Beitrittsverfahren genommen werden müssen. Im Ergebnis fehlt eine europäische Zivilgesellschaft, obwohl die Rechtsfigur des Unionsbürgers in diese Richtung zielt. Der Band thematisiert eine ganze Reihe von Versäumnissen, die bis in die Zeit des Werner‑Plans zurückreichen und die nun angesichts der Finanzkrise und der Entwicklungen in der Türkei neue Nahrung bekommen. Insofern ist dieser Band absolut lesenswert.
Martin Schwarz (MAS)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie (ISP) an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 3.13.62.632.612.23 Empfohlene Zitierweise: Martin Schwarz, Rezension zu: Branislav Radeljić (Hrsg.): Debating European Identity. Oxford u. a.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36965-debating-european-identity_45332, veröffentlicht am 10.04.2014. Buch-Nr.: 45332 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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