Hubertus Buchstein

Demokratiepolitik. Theoriebiographische Studien zu deutschen Nachkriegspolitologen

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011; 263 S.; 39,- €; ISBN 978-3-8329-5580-9
Hubertus Buchstein, Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Greifswald und Mitherausgeber der Ernst-Fraenkel-Werkausgabe, beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte und Vorgeschichte der Politologie in der Bundesrepublik Deutschland. In diesem Rahmen entstanden seit 1990 Aufsätze, die als wesentliche Beiträge zur fachgeschichtlichen Selbstverständigung gelten können und insofern auch für sich genommen von zeitgeschichtlichem Interesse sind. Es ist erfreulich, dass diese verstreut publizierten Arbeiten nun in einem Sammelwerk erneut zur Verfügung gestellt werden, wobei Buchstein zur Vermeidung von Redundanzen einige Kürzungen vorgenommen hat. Den Schwerpunkt der Arbeiten bildet das, was Buchstein die „Berliner Tradition“ der Politikwissenschaft nennt – jene vom Gedanken der Fächer- und Methodenintegration, aber auch der Integration normativer und empirischer Ansätze geprägte Traditionslinie, die sich von der Deutschen Hochschule für Politik herleitet, im Nationalsozialismus zur „Auslandswissenschaft“ deformiert wurde und auf dem Umweg über das sozialwissenschaftliche Exil als „Demokratiewissenschaft“ (35 ff.) erneut in Deutschland Fuß fasste. Dabei wendet Buchstein seinen Blick vor allem jenem sozialdemokratisch geprägten Freundes- und Kollegenkreis zu, der sich um Franz L. Neumann, Ernst Fraenkel und Otto Suhr bildete und dem auch A. R. L. Gurland und Otto Kirchheimer zuzurechnen sind. Hinzu treten (in einem Aufsatz über soziale Bewegungsforschung) Otto Stammer, Hannah Arendt und Ossip K. Flechtheim, ferner Martin Draht, dessen Totalitarismustheorie, und Peter C. Ludz, dessen Ideologietheorie vorgestellt werden. Alle Aufsätze kreisen um die beherrschenden Fragestellungen der vorgestellten Politologen und damit um das Profil des Faches als Demokratiewissenschaft. Wünschenswert wäre es indes gewesen, wenn Buchstein über 20 Jahre nach Erscheinen des ersten Textes eine etwas ausführlichere Bilanz seiner „theoriebiographischen Studien“ gezogen hätte, als dies in dem knappen Vorwort geschieht.
Gideon Botsch (GB)
Dr., Dipl. Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (http://www.mmz-potsdam.de).
Rubrizierung: 1.3 | 5.41 | 5.46 | 2.311 | 2.313 Empfohlene Zitierweise: Gideon Botsch, Rezension zu: Hubertus Buchstein: Demokratiepolitik. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34418-demokratiepolitik_41336, veröffentlicht am 08.12.2011. Buch-Nr.: 41336 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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