Hans-Joachim Spanger (Hrsg.)

Der demokratische Unfrieden. Über das spannungsreiche Verhältnis zwischen Demokratie und innerer Gewalt

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2012 (Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 16); 239 S.; 39,- €; ISBN 978-3-8329-7050-5
Der Demokratische Frieden gilt vielen als eines der wenigen politikwissenschaftlichen Gesetze überhaupt. Bis aber eine Demokratie konsolidiert und friedlich ist, kann der Weg lang und auch gewaltsam sein. Diesem Spannungsverhältnis von Demokratisierung und Gewalt ist der Sammelband aus der Schriftenreihe der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung gewidmet, präsentiert werden damit deren Forschungsergebnisse der vergangenen Dekade. Hans-Joachim Spanger vermittelt einen Überblick über den empirischen Forschungsstand. Dieser bewegt sich zwischen quantitativen Befunden des „Civil Democratic Peace“, Transitions- und „State-Building“-Theorien. Deren Ergebnisse fielen aber unbefriedigend aus und lieferten statt validen Korrelationen eher „wenig überzeugende […] Plausibilisierungsbemühungen“ (30), so Spanger. Dementsprechend setzen die Einzelfallstudien der HSFK auf eine mikroperspektivische Untersuchung der Wirkungszusammenhänge von Gewalt und ihrem Erscheinen in spezifischen Kontexten. Dabei variieren sie sowohl in Bezug auf die innere Gewalt als auch mit Blick auf die vorhandenen institutionellen Strukturen stark. So suchen Peter Kreuzer und Mirjam Weiberg-Salzmann nach den kulturspezifischen Einflussfaktoren in Malaysia, den Philippinen und Sri Lanka, während Jonas Wolff in Argentinien und Ecuador den scheinbar besonders befriedeten und stabilen Formen der defekten Demokratie nachspürt. Heidrun Zinecker fragt nach dem Einfluss der hohen kriminellen Gewalt in zentralamerikanischen Ländern und Thorsten Gromes richtet den Blick auf Nachbürgerkriegsgesellschaften am Beispiel des Kosovos, Bosnien-Herzegowinas und Nordirlands. Die differenzierten Ergebnisse können so dem scheinbar linearen Befund entgegengestellt werden, dass das Ausmaß der Gewalt in Demokratisierungsprozessen lediglich mit der „Stabilität und Leistungsfähigkeit der politischen Institutionen sowie dem Entwicklungsniveau“ (221) zusammenhängt. Das Verhältnis von Demokratie und innerer Gewalt erscheint als zutiefst ambivalent, da Demokratisierung genauso wenig eindeutig mit gewaltvollen Dynamiken verknüpft ist wie die Demokratie an sich zum Frieden führt.
Alexander Struwe (AST)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 2.2 | 4.41 | 2.61 | 2.65 | 2.68 Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Hans-Joachim Spanger (Hrsg.): Der demokratische Unfrieden. Baden-Baden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35246-der-demokratische-unfrieden_42445, veröffentlicht am 13.09.2012. Buch-Nr.: 42445 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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