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Peter Krause

Der Eichmann-Prozeß in der deutschen Presse

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2002 (Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts 8); 327 S.; kart., 34,90 €; ISBN 3-593-37001-8
Politikwiss. Diss. Berlin; Gutachter: G. Schwan. - Der Autor analysiert den israelischen Gerichtsprozess gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann unter dem Aspekt der Prozessberichterstattung der deutschen Presse. Die Fragestellung richtet sich hierbei vor allem auf die Art und Weise der Auseinandersetzung der deutschen Öffentlichkeit mit der eigenen Vergangenheit zu Beginn der Sechzigerjahre. Der Untersuchungszeitraum umfasst daher die Zeit zwischen der Gefangennahme Eichmanns am 23. Mai 1960 durch den israelischen Geheimdienst in Argentinien und Eichmanns Hinrichtung in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1962. Obwohl die Anmerkungen zur Methodik äußerst knapp gehalten sind, entspricht die Arbeit in ihrer methodischen Vorgehensweise den Anforderungen an eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung. Sie beginnt mit einer umfangreichen Einführung in den historischen Kontext des Prozesses und widmet sich anschließend der Auswertung ausgesuchter bundesdeutscher Zeitschriften und Tageszeitungen. Die thematisch gefasste Analyse konzentriert sich u. a. auf die Frage der juristischen Zuständigkeit für den Fall Eichmann, die Beurteilung seiner Person sowie das für ihn angemessene Strafmaß. Darüber hinaus wird schwerpunktmäßig die Thematisierung des Verbleibs weiterer Nazi-Verbrecher und die Diskussion um die Aufklärung der nachfolgenden Generation über die nationalsozialistische Vergangenheit analysiert. Beide Aspekte stehen im engen Zusammenhang mit dem Ergebnis, zu dem der Autor kommt: Nachdem die Vergangenheitsbewältigung der Fünfzigerjahre vielmehr einer Vergangenheitsverdrängung geglichen hatte, stellte der Eichmann-Prozess Anfang der Sechzigerjahre nach Krause einen wichtigen "Stimulus zu mehr Offenheit in der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit" (302) dar. Inhaltsübersicht: II. Historischer Kontext: 1. Adolf Eichmann - Zur Person und Karriere im NS-Regime; 2. Flucht, Suche und Festnahme; 3. Der Prozeß; 4. Kalter Krieg und "kalte Amnestie" - Der zeitgeschichtliche Hintergrund des Eichmann-Prozesses; 5. Politiker, Kirchen und Intellektuelle - Das breite Echo auf den Eichmann-Prozeß. III. Auswertung: 2. Wer soll Eichmann vor Gericht stellen?; 3. Wer ist Adolf Eichmann - haßerfüllter Antisemit oder pedantischer Bürokrat des Massenmordes?; 4. "Eichmanns" gab es viele: Die Entdeckung der Täter, Mittäter und Helfershelfer; 5. Exkurs: Die DDR-Presse und der Eichmann-Prozeß; 6. Der Fall Eichmann und der Kalte Krieg - Die Reaktionen auf die Propaganda aus dem "Osten"; 7. Demütigung oder Chance - Zur unterschiedlichen Bewertung der Bedeutung des Eichmann-Prozesses; 8. Der Fall Eichmann und die Jugend; 9. Kritische Stimmen zur Prozeßgestaltung; 10. Hinrichtung oder Begnadigung: Welche Strafe für Eichmann?
Kristina Eichhorst (KE)
Dr., Länderreferentin im Team Asien der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Rubrizierung: 2.35 | 2.333 | 2.312 Empfohlene Zitierweise: Kristina Eichhorst, Rezension zu: Peter Krause: Der Eichmann-Prozeß in der deutschen Presse Frankfurt a. M./New York: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/16945-der-eichmann-prozess-in-der-deutschen-presse_19466, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19466 Rezension drucken