Marco Zimmer / Christian Rüttgers (Hrsg.)

Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz – ein Jahr danach

Münster/New York: Waxmann Verlag 2014; 119 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-8309-3169-0
„Mit der Geburt von Kindern tritt in vielen Familien eine Re‑Traditionalisierung der Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen ein“ (16), womit allerdings nicht mehr die frühere soziale Absicherung verbunden ist. Mit der Ausweitung der Kinderbetreuung soll deshalb eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschaffen werden; seit August 2013 gilt in Deutschland für Kinder im zweiten und dritten Lebensjahr „ein Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in der Kindestagespflege“ (22). Die Autorinnen und Autoren des Bandes bilanzieren mit unterschiedlichen Herangehensweisen die ersten Monate unter den erneuerten Rahmenbedingungen. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Ergebnisse einer Befragung von Eltern, die seitdem einen Betreuungsplatz in Anspruch genommen oder zumindest beantragt haben. Demnach zeigt sich ein Auseinanderklaffen von „Wunsch und Wirklichkeit“ (28) bei der Betreuungsform – etwa ein Viertel der Eltern erhält statt des favorisierten Krippenplatzes eine Betreuung ihrer Kinder durch eine Tagesmutter oder in der Großtagespflege – und insbesondere bei den Betreuungszeiten. Letztere sind generell noch zu starr eingerichtet und kollidieren häufig mit den Arbeitszeiten. Marco Zimmer und Christian Rüttgers empfehlen daher eine generelle Ausweitung der Zeiträume mit flexibleren Zeitmodellen. Gleichzeitig fordern sie die Arbeitgeber dazu auf, Eltern beim Ausgleich von Arbeit und Familie zu unterstützen, sei es durch flexiblere Arbeitszeiten, Zuschüsse zu den Betreuungskosten oder eigene Betreuungsangebote. Eine gute Ergänzung hierzu bietet die Untersuchung von Silvia Lucht, sie vergleicht die Bundesländer hinsichtlich der konkreten Umsetzung des Rechtsanspruches. Es bestehen demnach deutliche Unterschiede im Ausmaß der Konkretisierung: Mindestbetreuungszeiten, Regelungen des Antragsverfahrens oder auch die Festlegung der zumutbaren Entfernung zur Betreuungseinrichtung bleiben häufig in der landesrechtlichen Umsetzung unerwähnt und werden damit der Verwaltungspraxis überlassen. Das berge den Nachteil, dass betroffene Eltern „bei der Durchsetzung des Anspruches auf eine günstige Auslegung durch die Behörde oder das Gericht angewiesen sind, anstatt auf den Gesetzeswortlaut vertrauen zu können“ (70), so die Autorin.
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Rubrizierung: 2.3432.325 Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Marco Zimmer / Christian Rüttgers (Hrsg.): Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz – ein Jahr danach Münster/New York: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38615-der-rechtsanspruch-auf-einen-krippenplatz--ein-jahr-danach_46499, veröffentlicht am 09.07.2015. Buch-Nr.: 46499 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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