Konrad Paul Liessmann (Hrsg.)

Der Staat. Wie viel Herrschaft braucht der Mensch?

Wien: Paul Zsolnay Verlag 2011 (Philosophicum Lech 14); 262 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-552-05530-8
Der Band vereint Aufsätze aus philosophischer, politisch-theoretischer, juristischer und historischer Perspektive, in denen über Aufgaben, Funktionen und Limitierungen des Staates diskutiert wird. Den Ausgangspunkt bildet die Annahme, dass die vielfache Beschwörung vom „Ende des Staates“ trotz dessen Begrenzungen und Einschränkungen aufgrund der Renaissance von Staatlichkeit selbst an ihr Ende zu gelangen scheint. Die Autoren und Autorinnen der sehr inspirierenden und vom Stil her für ein breites Publikum zugänglichen Beiträge sind sich in ihrer normativen Wertung von Staatlichkeit keineswegs einig, gleichwohl verfängt – auch bei den eher staatskritischen Texten – doch die Erkenntnis einer gewissen Unhintergehbarkeit von staatlicher Herrschaft in der Moderne. Der intellektuell groß angelegte Parforceritt durch die Theorie und Geschichte von Staat und Staatlichkeit regt gerade dadurch zur erneuten oder intensiveren Befassung mit Staatstheorien an. Besonders hervorzuheben sind dabei die Beiträge von Herfried Münkler und Heinz Bude: Während Münkler die territoriale Gebundenheit des Staates betont und vor diesem Hintergrund seinen politischen Einfluss diskutiert, interpretiert Bude den politisch-kulturellen Wandel von unterschiedlichen Begrifflichkeiten, mit denen der Staat beschrieben wurde, als Ausdruck differenter Formen des „Staatsglaubens“ (172).
Samuel Salzborn (SZ)
Prof. Dr., Professor für Grundlagen der Sozialwissenschaften, Institut für Politikwissenschaft, Georg-August-Universität Göttingen.
Rubrizierung: 5.41 Empfohlene Zitierweise: Samuel Salzborn, Rezension zu: Konrad Paul Liessmann (Hrsg.): Der Staat. Wien: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33643-der-staat_40293, veröffentlicht am 13.04.2011. Buch-Nr.: 40293 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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