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Matthias Küntzel

Deutschland, Iran und die Bombe. Eine Entgegnung – auch auf Günter Grass

Berlin: Lit 2012 (Politik aktuell 11); II, 257 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-643-11703-8
Seit Jahren kritisiert Küntzel die deutsch-iranischen Beziehungen. In diesem Buch warnt er vor den Gefahren, die u. a. vom iranischen Atomprogramm ausgehen. Er geht auf die verschiedenen Formen der Verharmlosung des iranischen Regimes ein und kritisiert die Solidarität verschiedener Akteure mit diesem. Seine Kritik untermauert er mit einer Reihe von unterschiedlichen Fakten. Beispielsweise prangert er die Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan an. In Freiburg habe einst die Anti-Atomkraft-Bewegung begonnen; Isfahan sei dagegen ein „Atomwaffen- und Raketenzentrum“ (65). Während in Isfahan eine „ungezügelte Diktatur“ herrsche, sei Freiburg die „Musterstadt des Liberalismus“, in der „gute Gesinnung und Gleichgültigkeit“ (70) dicht beisammen liegen können. Er zitiert den SPD-Politiker Henning Wellbrock, der die „Städtepartnerschaft heute total einfrieren“ würde, da ansonsten Deutschland auf der Seite eines Regimes stehe, das „zutiefst unmoralisch“ (71) sei. Kritik erfährt auch Günter Grass, der die „eigene Geschichte vor der Tür der Opfer entsorgt“ (13). Gleichzeitig verteidige Grass ein Regime, das den Hass auf Juden mobilisiere. Der Autor widmet sich zudem den deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen und listet 45 deutsche Firmen und deren Niederlassungen oder Repräsentanten in Teheran auf. Außerdem wird die Rolle der Deutschen Bundesbank beleuchtet, die auf ausdrückliche Anweisung der Bundesregierung Anfang 2011 Iran-Geschäfte gefördert habe. In diesem Jahr habe die Bundesregierung „Artikel 20 der EU-Ratsentscheidung vom 26. Juli 2010“ (146) missachtet. Demnach sollten die Gelder eingefroren werden, die sich „in der Verfügungsgewalt oder unter direkter oder indirekter Kontrolle von Personen und Einrichtungen befinden, die auf der EU-Sanktionsliste stehen“ (146). Tatsächlich ist die Hamburger Europäisch-Iranische Handelsbank AG (EIH-Bank) im Besitz von vier staatlichen iranischen Banken. Die Europäische Union hatte zwei dieser Banken schon im Sommer 2010 auf ihre schwarze Liste gesetzt. Ferner war es längst bekannt, dass die USA die Hamburger EIH-Bank isolieren will. Der Autor fragt, warum die Bundesbank den Geschäften mit dem Iran, trotz der damit verbundenen Risiken zugestimmt und damit den „Bogen überspannt“ (151) habe. Insgesamt ist es Küntzel gelungen, einige Probleme, die in den deutsch-iranischen Beziehungen existieren, kritisch zu reflektieren.
Wahied Wahdat-Hagh (WWH)
Dr., Dipl.-Soziologe und Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 4.41 | 2.63 | 4.21 Empfohlene Zitierweise: Wahied Wahdat-Hagh, Rezension zu: Matthias Küntzel: Deutschland, Iran und die Bombe. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/9185-deutschland-iran-und-die-bombe_42617, veröffentlicht am 12.10.2012. Buch-Nr.: 42617 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken