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Sevinj Alizada

Die Europäische Union als politischer und wirtschaftlicher Akteur im Südkaukasus

Münster: agenda Verlag 2005 (agenda Frieden); 155 S.; 28,- €; ISBN 3-89688-248-1
Dieses Buch ist in mehrfacher Hinsicht ein Ärgernis. Am schwersten wiegt, dass das im Titel angedeutete Thema kaum behandelt wird. Dies liegt vor allem an einer unklaren Fragestellung der Arbeit. Während im ersten theoretischen Teil geklärt werden soll, ob „Politik nun ein Streben nach Gleichgewicht oder ein Streben nach Hegemonie“ ist (5), zielt der zweite „empirische“ Teil auf eine ganze Reihe von Fragestellungen, für die eine Klärung dieses Problems nicht wirklich notwendig erscheint. Die Frage wird schließlich auch nicht geklärt. Fast die Hälfte des Buches ist der Darstellung von Gleichgewichtstheorien und ihrer Vertreter gewidmet. Von einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung kann jedoch nicht die Rede sein. Seitenweise werden theoretische Ansätze beschrieben, ohne dass ein überzeugender analytischer Zusammenhang mit dem Thema nachzuvollziehen ist. Eine Diskussion findet nicht statt. Die Untersuchung der Rolle der EU im Südkaukasus reduziert sich auf eine kursorische Abhandlung ihrer Förderinstrumente sowie eine eher journalistische Darstellung ihrer energiepolitischen Interessen in der Region. Der schlechte Eindruck wird durch Formulierungsschwächen verstärkt, die durch ein sorgfältiges Lektorat hätten vermieden werden können. Was ist z. B. der „Kern der liberalen Tradition argumentierender Theorien“ (35)? Wie kommt die Autorin zu folgendem nicht erklärten Zwischenfazit: „Was wirtschaftlich sinnvoll ist, verbietet die Politik; was politisch gewünscht wird, rentiert sich nicht; und was geopolitisch wie geo-ökonomisch möglich wäre, wird durch regionale, territoriale oder ethnische Kriege verhindert“ (81). Zahlreiche handwerkliche Fehler, wie beispielsweise fehlende oder unklare Belege und Quellenangaben, Gliederungsfehler oder zusammenhanglose Zitate und Abbildungen reduzieren den ohnehin kaum vorhandenen wissenschaftlichen Wert dieser Veröffentlichung.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 3.6 | 2.63 Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Sevinj Alizada: Die Europäische Union als politischer und wirtschaftlicher Akteur im Südkaukasus Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/23911-die-europaeische-union-als-politischer-und-wirtschaftlicher-akteur-im-suedkaukasus_27487, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27487 Rezension drucken