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Sebastian Mayer

Die Europäische Union im Südkaukasus. Interessen und Institutionen in der Auswärtigen Politikgestaltung

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2006 (Nomos Universitätsschriften: Politik 133); 270 S.; brosch., 44,- €; ISBN 978-3-8329-1598-8
Der Autor zeichnet die Genese der EU-Entscheidungsprozesse gegenüber dem Südkaukasus nach, um damit einen Beitrag zur empirischen und theoretischen Debatte um den Akteurscharakter der EU zu liefern. Er beschreibt verschiedene Facetten der bilateralen und gemeinschaftlichen Beziehungen zu Armenien, Aserbaidschan und Georgien. Er zeigt, dass die unterschiedlichen EU-Akteure teilweise deutlich voneinander abweichende Interessen formulieren, die im besten Falle einem einheitlichen Erscheinungsbild im Wege stehen, im schlechtesten Falle eine kohärente EU-Politik gegenüber dem Südkaukasus verhindern. Anfang der 90er-Jahre ging es den Mitgliedsstaaten v. a. um die Förderung und Unterstützung der schwierigen Transformationsprozesse, während sich die EU selbst gegenüber der Region und ihren Konflikterscheinungen zunächst sehr zurückhaltend verhielt. Mitte der 90er-Jahre begann die außenpolitische Frage der Energieversorgungssicherheit an Bedeutung zu gewinnen. In der Folge kam es zu einer Konkretisierung der Präferenzen, einer Formalisierung der Beziehungen durch Partnerschafts- und Kooperationsabkommen und einer steigenden sicherheitspolitische Relevanz der Region. Dadurch wuchs dem Rat der EU eine größere Bedeutung zu. In seinen Aktivitäten reflektiert sich nicht nur die größere Bedeutung des Krisenpräventionsgedankens, sondern auch die Unzufriedenheit vieler Mitgliedsstaaten, im Südkaukasus zwar größter Geldgeber zu sein, aber keine entsprechende politische Rolle zu spielen. Die Darstellung dieser Entwicklungen gelingt dem Autor in nachvollziehbarer Weise, wenn auch oftmals auf Kosten der analytischen Tiefe. Eine Vielzahl von Entwicklungen wird nur oberflächlich beschrieben und ergibt stellenweise eine eher unsystematische Aneinanderreihung von Fakten. Unklar bleibt auch der angekündigte Erkenntnisgewinn für die Theoriedebatte. In diesem Zusammenhang hätte man sich eine ausführlichere Überprüfung des im Schlusskapitel eingeführten Konzepts der „strukturellen Macht“ gewünscht.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 3.6 | 2.63 Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Sebastian Mayer: Die Europäische Union im Südkaukasus. Baden-Baden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/25696-die-europaeische-union-im-suedkaukasus_29817, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29817 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken