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K. F. Martin Baesler

Die Freiheit des Individuums als Pointe der politischen Transformation. Eine Analyse des Demokratisierungsparadigmas mit John Dunn und Aristoteles

Würzburg: Ergon Verlag 2013 (Politikwissenschaftliche Theorie 7); 293 S.; brosch., 38,- €; ISBN 978-3-89913-961-7
Politikwiss. Diss. Freiburg; Begutachtung: G. Riescher. – „Aus der alleinigen Negativdefinition des Demokratiebegriffs, die sich aus der Abgrenzung gegen autoritäre Regime ergibt, kann das eigentliche Ziel der Demokratisierung in ihrem Kern nicht erfasst werden.“ (17 f.) Stattdessen – so Martin Baesler – sollte „das empirische Verstehen von Demokratisierung“ (20), das in der Geschichte inhaltlich stark umkämpft ist, mit der „Idee des Politischen“ verbunden werden. In seiner Argumentation geht Baesler in einem ersten Schritt vom Phänomen der und den umlaufenden Theorien über „Transformation, Transition und Demokratisierung“ (63 ff.) aus. Im zweiten Kapitel analysiert er John Dunns Demokratieverständnis, das dieser „im Umfeld der Cambridge School of Thought“ (90 ff.) entwickelt hat und in dessen Zentrum der Prozess der „Demokratisierung mittels der Klugheit“ (138 ff.) steht. Demzufolge ist Demokratisierung weniger an abstrakten Regularien und theoretisch erschließbaren normativen Imperativen abzulesen als vielmehr an dem Grad, in dem sich eine möglichst qualifizierte Bürgerschaft als Verantwortungsgemeinschaft für ihr ganz konkretes Zusammenleben wahrnimmt. Die praktische Klugheit, sich eben auch in den gemeinsamen Angelegenheiten vernünftig zu beraten und wohl abgewogen zu handeln, wird als originär menschliches Vermögen rehabilitiert. Da dieser Gedanke jedoch schon paradigmatisch von Aristoteles erörtert worden ist, wendet sich Baesler im dritten Kapitel dem klugheitszentrierten Verfassungsdenken des griechischen Philosophen zu, der von dorther den Untersuchungsgegenstand einer praktischen politischen Wissenschaft umreißt und der insbesondere über die Qualifizierung unterschiedlicher Freundschaftsformen den „Ursachen der einzelnen Verfassungsumbrüche“ (213 ff.) nachgeht. Im abschließenden vierten Kapitel widmet sich Baesler „Neo‑aristotelische[n] Interpretationen“ (229 ff.), die insbesondere das Verhältnis von „Freundschaft und Konflikt“ (246 ff.) thematisieren und in denen sich der Demos mit all seinen Mängeln und menschlichen Unzulänglichkeiten als konflikthafte und den Konflikt klug austragende politische Gemeinschaft konstituiert.
Karl-Heinz Breier (KHB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie, Universität Vechta.
Rubrizierung: 5.41 | 5.31 Empfohlene Zitierweise: Karl-Heinz Breier, Rezension zu: K. F. Martin Baesler: Die Freiheit des Individuums als Pointe der politischen Transformation. Würzburg: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35973-die-freiheit-des-individuums-als-pointe-der-politischen-transformation_43655, veröffentlicht am 17.07.2013. Buch-Nr.: 43655 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken