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Florian Süssenguth (Hrsg.)

Die Gesellschaft der Daten. Über die digitale Transformation der sozialen Ordnung

Bielefeld: transcript Verlag 2015 (Sozialtheorie); 285 S.; kart., 29,99 €; ISBN 978-3-8376-2764-0
Anders als der Titel nahelegt, geht es den Autoren nicht um ein soziologisches Paradigma der Digitalisierung. Vielmehr seien die Debatten um die Digitalisierung einzelner gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder politischer Bereiche als Formen gesellschaftlicher Selbstbeobachtung zu deuten, wie der Herausgeber konstatiert. Der Ausgangspunkt für den Sammelband war eine Summer School der Ludwig‑Maximilians‑Universität München zur digitalen Demokratie 2013. Entsprechend der facettenreichen Implikationen der Digitalisierung für die Gesellschaft sind in dem Buch unterschiedliche Disziplinen vertreten – neben Sozial‑ und Medienforschern auch Ökonomen und Juristen. Wissenschaftler des Sciences Po médialab stellen beispielsweise die These auf, dass durch die digitalen Analysemethoden die klassische Trennung von Mikro‑ und Makroebene in der empirischen Sozialforschung obsolet sei und Komplexität kein Hindernis mehr für die Erforschung von Zusammenhängen individueller Handlungen und gesellschaftlicher Entwicklungen darstelle. Im Mittelpunkt mehrerer Beiträge stehen die Semantiken des digitalen Wandels. Diese stammen meist aus dem IT‑Bereich oder aus dem Marketing, ihre Wirkung ist jedoch weitreichender, wie der Herausgeber in seinem Beitrag darlegt: „Digitalisierungssemantiken haben die Funktion, die durch digitale Medien ausgelösten vielfältigen Irritationen der Organisationspraxis und die Unruhe ihrer Umweltbeziehungen in eine für Organisationen bearbeitbare Form zu bringen“ (99). Florian Süssenguth erläutert dies an den Beispielen der Digitalisierungsstrategien von Finanzdienstleistern, dem ‚Industrie 4.0‘‑Trend, dem digitalen Wandel in Medienunternehmen sowie der deutschen Netzpolitik. Der Band wird dem eigenen Anspruch gerecht, unterschiedliche theoretische Zugänge zu diesem komplexen Themenverbund zu bieten. Diese inspirieren über Fachgrenzen hinaus. Angesichts der Vehemenz, mit der über gesellschaftliche Folgen des digitalen Wandels öffentlich gestritten wird (siehe etwa Buch‑Nr. 47522), nehmen sich die Beiträge hier indes eher zurückhaltend aus.
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Rubrizierung: 2.22.222.263 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Florian Süssenguth (Hrsg.): Die Gesellschaft der Daten. Bielefeld: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39500-die-gesellschaft-der-daten_48125, veröffentlicht am 03.03.2016. Buch-Nr.: 48125 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken