Costas Douzinas / Slavoj Žižek (Hrsg.)

Die Idee des Kommunismus. Band I. Aus dem Englischen von Harald Etzbach

Hamburg: LAIKA Verlag 2012 (LAIKAtheorie); 270 S.; 24,- €; ISBN 978-3-942281-28-7
Die Möglichkeit, den Kommunismus über die Geschichte der gescheiterten Versuche seiner Umsetzung hinaus zu retten, besteht darin, ihn als Idee zu begreifen. Alain Badious einflussreiche kommunistische Hypothese setzte genau diesen Impuls und vermochte damit auch das Ende der Apathie einer Linken nach dem Zusammenbruch des Sozialismus zu artikulieren. Was an diesem vermeintlichen Neuanfang „zunächst und vor allem zählt, ist die Existenz des Kommunismus und sind die Begriffe, in denen er formuliert wird“ (26). Der Aufgabe dieser Reformulierung widmete sich die bereits 2009 abgehaltene Konferenz zur Idee des Kommunismus, deren Beiträge hiermit auf Deutsch vorliegen. Darin versammelt sich eine namhafte Prominenz radikaler Philosoph_innen, die sich entweder direkt der Aufgabe verschreiben oder deren Arbeiten auf jenes Vorhaben hin kontextualisiert werden. Der Einigkeit über die Dringlichkeit der aktualisierten kommunistischen Idee, wie sie Badiou eingangs formuliert, stehen dann schnell die unterschiedlichen Interpretationen und verschiedenen Probleme gegenüber, mit denen sich ein solches Projekt konfrontiert sieht. So steht Kritik von Susan Buck‑Morss an einer falschen, weil exklusiv westlichen, Universalisierung des Kommunismus neben den Ausführungen Terry Eagletons über das Dilemma der Produktivität, welches wiederum von Michael Hardt aufgegriffen und optimistisch gewendet wird, da sich im aktuellen Stadium des Kapitalismus eine Produktion von Gemeingut durchsetze, die zur Grundlage seiner eigenen Überwindung diene. Die zumeist subtilen Bezüge aufeinander sind dabei nicht immer leicht nachzuvollziehen, wenn beispielsweise Žižek zwischen den Zeilen Rancière eines Neu‑Kantianismus bezichtigt oder dieser gleich „von seinem älteren Klassenkameraden Badiou wegen radikalem ‚Apolitizismus‘ angeklagt“ (54) wird. Einigkeit besteht daher nur in wenigen Punkten, so aber zumindest darin, dass der Neubeginn nicht als positives Programm vorweggenommen werden kann. Damit bleibt die vermeintliche Universalie etwas Negatives und dient so vielmehr einer generellen Herausforderung des Status quo, als dieser Bewegung substanziell eine Richtung geben zu können. So etwa, wenn Jacques Rancière den Kommunismus als die Emanzipation der Intelligenzen der Einzelnen im Namen der Gleichheit beschreibt oder Gianni Vattimo fordert, „der Kommunismus muss den Mut haben, ein ‚Gespenst‘ zu sein“ (249). Band II siehe Buch-Nr. 46787.
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Rubrizierung: 2.225.43 Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Costas Douzinas / Slavoj Žižek (Hrsg.): Die Idee des Kommunismus. Band I. Hamburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38392-die-idee-des-kommunismus-band-i_46786, veröffentlicht am 07.05.2015. Buch-Nr.: 46786 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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