Ilan Pappe (Hrsg.)

Die Idee Israel. Mythen des Zionismus

Hamburg: LAIKA Verlag 2015 (LAIKAtheorie); 375 S.; 21,- €; ISBN 978-3-944233-40-6
Der Staat Israel, so Ilan Pappe in der Einführung zu seiner historisch akzentuierten, dabei aber politisch nicht neutralen Studie, ruhe auf einer „komplexen und widersprüchlichen Realität“ (8), die ihrerseits „zahlreiche und widersprüchliche Versionen der Realität“ provoziert habe, die allesamt mehr oder minder stark Exklusivität für sich beanspruchten. Anders Pappe selbst: „Mein Argument ist, dass diese einander widersprechenden Versionen nicht Israel als solches beschreiben, sondern die dem Staat Israel zugrunde liegende Idee.“ Der Zionismus repräsentiere jene politische Idee, die sich im israelischen Staat realisiert habe und die zu beurteilen und zu hinterfragen „dringend notwendig“ (9) sei. Der dabei seit den 1990er‑Jahren in der Debatte beschrittene und auch weiterhin zu beschreitende Grat zwischen „Postzionismus [... und] Antisemitismus“ (13) sei denkbar schmal: Wie lasse sich die israelische Gründungsidee hinterfragen, ohne sie damit gleichsam als Ideologie zu entlarven und damit dem Staat Israel die Existenzberechtigung zu entziehen? Im Rahmen der von Pappe vorgelegten historischen Rekonstruktion von „Israel als Idee“ (20) sowie ihrer Kritik, wie sie vornehmlich an Universitäten formuliert und ausgetragen worden sei, erscheint der Zionismus als ein die gesamte Geschichte des Staates durchziehender, ihn begleitender Diskurs. Seine aktuellste Erscheinungsform finde dieser in den Reihen der „neozionistischen neuen Historiker“ (303), die auf eine Vermarktungsstrategie setzten, die – historisch betrachtet – inkongruent sei. Unter bewusster Außerachtlassung eigener, politisch‑moralisch fragwürdiger Aspekte in der Geschichte werde hier, so Pappes Vorwurf, ein Bild der Marke Israel entworfen, das „die Gegenwart als ein Schlachtfeld im Überlebenskampf“ inszeniere und so „die Macht des jüdischen Staates und sein Potenzial, die Region zu destabilisieren“ (342), ausblende. Wenn Israel mehr und mehr zu einem „Apartheitsregime“ (344) degeneriere, das die Palästinenser systematisch unterdrücke und dafür auch auf der weltpolitischen Bühne zunehmend Kritik einstecken müsse, dann sei es in der Tat Zeit, die Idee des Zionismus zu verabschieden – ob es sich nun um post‑ oder neozionistische Ausformungen handele.
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Rubrizierung: 2.632.23 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Ilan Pappe (Hrsg.): Die Idee Israel. Hamburg: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39056-die-idee-israel_47520, veröffentlicht am 05.11.2015. Buch-Nr.: 47520 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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