Jean Ziegler

Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher. Aus dem Französischen übertragen von Holger Fliessbach

München: C. Bertelsmann 2003; 318 S.; 22,90 €; ISBN 3-570-00679-4
Der Blick Zieglers auf das Elend dieser Welt ist verständlicherweise durch seine Arbeit geschärft: Als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Ernährung ist er mit den Auswirkungen der globalisierten Handels- und Finanzwelt konfrontiert. Ziegler will deshalb "die Dogmen der neuen Herrscher der Welt [...] entkräften" (17) und zeigen, dass von der Globalisierung nur wenige profitieren. Zu den neuen Herrschern zählt er die US-Regierung, die mit ihrer neoliberalen Wirtschaftspolitik als Handlanger internationaler Unternehmen agiere. Deren Vorstellungen von einer Welt des freien Handels, in der es keine öffentlichen Güter mehr gibt, werden auch von der WTO, der Weltbank und dem IWF umgesetzt. Ziegler lehnt diese Politik ab, da deren negative Folgen nicht zu akzeptieren seien: Zum einen leben etwa zwei Milliarden Menschen in absoluter Armut, alle zehn Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren, obwohl die Menschheit "zum ersten Mal in ihrer Geschichte [...] einen Überfluss an Gütern" (12) genieße. Zum anderen verliere "ein Bürger, der schutzlos den großen sozialen Risiken ausgeliefert wird, [...] seine Eigenschaft als Bürger" (101). Die "neuen Herrscher" wollten die "Ordnung der stateless global governance" (130) errichten, so Ziegler, aber "die Privatisierung der Welt [...] tötet das Gesetz" (95). Den Menschen werde von einer seelenlosen Finanzwelt ihre Selbstbestimmung verwehrt. Ziegler nennt zahlreiche Beispiele von negativen Folgen der Vorgaben von WTO, Weltbank oder IWF für die Ernährungssituation in armen Ländern, die Versorgung mit Medikamenten oder für die Bildungssysteme. Diese Organisationen berücksichtigten nicht die Bedürfnisse einzelner Länder, die finanzielle Hilfe werde schematisch an die neoliberale Politik gebunden. Vom gegenwärtigen Kapitalismus, der seine protestantischen Wurzeln verloren habe, sei nichts zu erwarten, er müsse bekämpft werden. Ziegler sieht die sozialen Bewegungen in aller Welt und die Organisationen der Globalisierungsgegner als möglichen Ausgangspunkt für die neue planetarische Zivilgesellschaft, in der die Autonomie des Individuums wiederhergestellt wird.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.43 | 4.44 | 4.3 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jean Ziegler: Die neuen Herrscher der Welt und ihre globalen Widersacher. München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/18361-die-neuen-herrscher-der-welt-und-ihre-globalen-widersacher_21256, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21256 Rezension drucken

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