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Jörn Dosch / Jörg Faust (Hrsg.)

Die ökonomische Dynamik politischer Herrschaft. Das pazifische Asien und Lateinamerika

Opladen: Leske + Budrich 2000; 305 S.; kart., 58,- DM; ISBN 3-8100-2610-7
Der Sammelband ist hervorgegangen aus einer gemeinsamen Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Institut für Politikwissenschaft der Johannes Gutenberg Universität Mainz. Anlass war die Frage, ob die ökonomischen Krisen in den Emerging Markets Asiens und Lateinamerikas im Wesentlichen den internationalen Finanzinstitutionen anzukreiden sind, oder nicht innenpolitische Konstellationen das Ausmaß der Krisen zu einem Großteil mit verursachten. Barrios und Röders Beitrag behandelt am Beispiel Brasiliens die Position eines Schwellenlandes, dem der Status des einzigen Global Trader Lateinamerikas zugebilligt wird und in dem die Entwicklungsfortschritte und -blockaden zu verorten sind. Der Staat, von dem eine beschleunigte industrielle Entwicklung ausging, wird als vielfach überfordert diagnostiziert. Die potenziellen Erklärungsfaktoren für diese spezifische Kontur des Entwicklungsprozesses Brasiliens sind vielfältig. Barrios und Röder konzentrieren sich in ihrer Analyse vor allem auf die politischen Variablen. Sie fragen nach der Bedeutung der Akteurskonstellationen, der institutionellen Arrangements sowie des spezifischen Konnexes zwischen formellen und informellen Formen der Steuerung der Entwicklungsdynamik beziehungsweise der Blockierung von Reformen in Brasilien. Die Ergebnisse dieser Betrachtung lassen sich für die meisten Staaten Asiens und Lateinamerikas generalisieren. Die zentrale Herausforderung bei der Errichtung ökonomisch effizienter Reformen besteht einerseits darin, dass die staatlichen Akteure über einen Grad an Unabhängigkeit verfügen müssen, der eine Vereinnahmung des Staates durch gesellschaftliche Akteure über informale Verfahren wie zum Beispiel Klientelismus oder Korruption erschwert. Andererseits müssen Reformen eben auch durch Interessengruppen getragen werden. Die Kunst liegt darin, genau hier eine Balance zu finden, damit die jungen Demokratien auch auf Dauer wirtschaftliche Prosperität für ihre Bevölkerungen generieren. Inhalt: Jörg Faust / Jörn Dosch: Einleitung: Die ökonomische Dynamik politischer Herrschaft im pazifischen Asien und in Lateinamerika (1-19); Dieter Boris: Die "Peso-Krise" in Mexiko 1994/95: "Marktversagen" versus "Politikversagen" - oder beides? (21-48); Harald Barrios / Jörg Röder: Entwicklungsfortschritte und Entwicklungsblockaden in Brasilien - Fragen der Regierbarkeit, der Systemeffizienz und der Legitimität (49-72); Wolfgang Muno / Christoph Wagner: Marktwirtschaft versus Demokratie: Wirtschaftliche Reformen und politische Entwicklung in Argentinien und Uruguay (73-107); Peter Thiery: Krisenresistenz einer defekten Demokratie: Zur ökonomischen Dynamik politischer Herrschaft in Chile (109-145); Aurel Croissant: Südkorea zwischen "Demo-Prosperität" und "Demo-Desaster"? Die politischen Ursachen der "IMF-Crisis" (147-187); Jürgen Rüland: Thailand: Finanzkrise und politische Transformation (189-212); Jörn Dosch: Indonesien: Autoritäre Klientelstrukturen und wirtschaftliche Entwicklung (213-233); Gunter Schubert: Taiwan und die Asienkrise - Krisenresistenz durch Demokratisierung? (235-254); Manfred Mols: Die Asienkrise: Manifeste und latente Züge, internationale Auswirkungen und die Rolle von APEC und ASEAN (255-283); Jörg Faust: Politische Herrschaft, Verteilungskoalitionen und Labilität - eine erste Bilanz (285-304).
Bernhard Stelzl (BhS)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.2 | 2.65 | 2.68 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Bernhard Stelzl, Rezension zu: Jörn Dosch / Jörg Faust (Hrsg.): Die ökonomische Dynamik politischer Herrschaft. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/12176-die-oekonomische-dynamik-politischer-herrschaft_14534, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14534 Rezension drucken