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Hanns Schneider

Die Parteien Serbiens im Wandel. Der Einfluss europäischer Parteifamilien und deutscher politischer Stiftungen

Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2013 (Forschungen zu Südosteuropa 7); 220 S.; 42,- €; ISBN 978-3-447-06982-3
Politikwiss. Diss. Jena; Begutachtung: G. Schubert, O. Leiße. – Der Untersuchungsgegenstand dieser in der Forschung zu Demokratisierung, Konsolidierung und Parteienförderung in den jugoslawischen Nachfolgestaaten angesiedelten Studie umfasst die Entwicklung der serbischen Parteien seit dem Ende der Ära Slobodan Milošević. Im Mittelpunkt steht die Rolle der europäischen Parteifamilien und der deutschen parteinahen Stiftungen als externe Unterstützer. Hanns Schneider erarbeitet im Rekurs auf die Transformationsforschung zunächst einen Untersuchungsansatz, um hierauf die externen Unterstützungsgeber näher zu betrachten. So verfügten alle größeren europäischen Parteifamilien (Konservative, Sozialisten, Liberale) über Partnerparteien in Serbien „und können auf diese einwirken, auch wenn zwischen den Parteifamilien Unterschiede im Mitgliedsstatus zu verzeichnen sind“ (65) – wobei die Grünen jedoch außen vor bleiben. Gemeinsam seien allen Parteibünden „Werte, die sich auf demokratische Grundprinzipien beziehen“ (73) und Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie Solidarität propagierten. Jedoch setzten die Parteifamilien unterschiedliche Akzente. Während für die Sozialisten die soziale Gerechtigkeit vordringlich sei, betonten die Konservativen vor allem die soziale Marktwirtschaft und die Bedeutung der Familie, die Liberalen hingegen die individuellen Grundfreiheiten. Deutsche politische Stiftungen (namentlich die Konrad‑Adenauer‑, Friedrich‑Ebert‑, Friedrich‑Naumann‑, Heinrich‑Böll‑ und Rosa‑Luxemburg‑Stiftung) operieren seit 1997 in Serbien und verfolgen entsprechend ihrer Parteinähe einen ideologischen Ansatz bei der Kooperationsstrategie. Durch Trainings, Workshops, materielle Unterstützung, Vermittlung von Politikerreisen ins Ausland und Hilfestellung beim Aufbau parteilicher Unterorganisationen üben sie Schneider zufolge einen mittelbaren Einfluss auf ihre serbischen Partnerparteien aus. Allerdings habe es die mit der Linkspartei verbundene Rosa‑Luxemburg‑Stiftung schwerer als die übrigen deutschen Akteure, da es in ihrem ideologischen Spektrum bisher keine genuine Partnerpartei in Serbien gebe. Im Schlusskapitel bilanziert der Autor neben den Erfolgen der Zusammenarbeit – die etwa in der von den deutschen Stiftungen vermittelten Anbahnung und Vertiefung von Kontakten der serbischen Parteien nach Europa liegen – auch Defizite, die trotz der Unterstützung von außen bisher nicht behoben werden konnten. Schneider nennt hierfür exemplarisch die schier übermächtige Stellung der Parteivorsitzenden, aber auch den gravierenden Mangel an innerparteilicher Demokratie in den serbischen Parteien.
Ulrich Heisterkamp (HEI)
Politikwissenschaftler, Doktorand am Institut für Politikwissenschaft der Universität Regensburg.
Rubrizierung: 2.612.222.3313.42.24.44 Empfohlene Zitierweise: Ulrich Heisterkamp, Rezension zu: Hanns Schneider: Die Parteien Serbiens im Wandel. Wiesbaden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36621-die-parteien-serbiens-im-wandel_44867, veröffentlicht am 16.01.2014. Buch-Nr.: 44867 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken