Jennifer Gronau

Die Selbstlegitimation internationaler Institutionen. G8 und G20 im Vergleich

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2015 (Staatlichkeit im Wandel 24); 536 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-593-50299-1
Diss. Bremen; Begutachtung: F. Nullmeier, A. Geis, M. Nonhoff. – „Wie und mit welchen Mitteln vollzieht sich die Selbstlegitimation internationaler Institutionen?“ (26) Mit dieser Fragestellung widmet sich Jennifer Gronau den G8 und G20 – zwei Institutionen, die sich ihr zufolge seit ihrem Bestehen auch ohne öffentlichen Druck bemüht haben, ihrer Arbeit Legitimität zu verleihen. Bevor sich die Autorin dem eigentlichen Prozess der Selbstlegitimation dieser beiden Institutionen – die aufgrund eines niedrigen Institutionalisierungsgrads keine Internationalen Organisationen (IOs) sind – widmet, klärt sie zunächst, was unter Selbstlegitimation zu verstehen ist. Demnach „zielen Internationale Institutionen darauf ab, die wertbasierte Unterstützung von ihren sozialen Constituencies für die Gesamtheit ihrer Institutionen zu gewinnen“ (87). Anders als bisherige Modelle von Legitimierungsprozessen werden internationale Institutionen hier im Sinne eines konstruktivistischen Theorieverständnisses zu an einem Aushandlungsprozess beteiligten Akteuren, die zu gemeinsamen Weltanschauungen und Zielen ihrer Mitglieder beitragen sowie ihre Umwelt zu bestimmten Verhaltensweisen veranlassen. Gronau geht für ihre Untersuchung der Aktivitäten der G8 und G20 von einer „Multimodalität des Legitimationsgeschehens“ (93) aus: Legitimität wird auf unterschiedlichen Kanälen und in unterschiedlichen Formen kommuniziert. Hierzu zählt sie institutionelle Legitimationspolitiken, Legitimationsrhetorik sowie nonverbale Selbstrepräsentation. Letztere stellt eine von der Autorin eingeführte Erweiterung dar, die es ermöglichen soll, auch Fotografien und andere Artefakte zwecks Analyse von kommunizierten Legitimationsangeboten zu verwenden. Methodische und empirische Grundlage hierfür sind ein interpretatives Verfahren zur Analyse von Dokumenten und Archivalien, das durch Interviews von deutschen und britischen Ministerialbeamten ergänzt wurde. Im Ergebnis der umfangreichen Fallstudien der Legitimationsrhetorik beider Institutionen, die durch ein zusätzliches vergleichendes Kapitel ergänzt werden, dokumentiert Gronau für G8 und G20 eine „umsichtig geplante, öffentliche Selbstlegitimation“ (471) seit ihrer Entstehung, die allerdings einem stetigen Wandel unterliege. Neben einer durch den Einsatz aller drei identifizierten Legitimationsmodi vollzogenen Intensivierung bestehe dieser in der normativen Ergänzung der Selbstlegitimationspraxis mittels Betonung von Transparenz, Partizipation und Rechenschaftslegung.
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Rubrizierung: 4.434.3 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Jennifer Gronau: Die Selbstlegitimation internationaler Institutionen. Frankfurt a. M./New York: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39402-die-selbstlegitimation-internationaler-institutionen_47578, veröffentlicht am 18.02.2016. Buch-Nr.: 47578 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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