Enrico Böhm

Die Sicherheit des Westens. Entstehung und Funktion der G7-Gipfel (1975-1981)

München: Oldenbourg Verlag 2014 (Studien zur Internationalen Geschichte 34); 357 S.; 49,95 €; ISBN 978-3-486-75105-5
Diss. Marburg; Begutachtung: E. Conze. – Die G7‑Gipfel sind „ein Kind der Krise“ (71). Damit sind die ökonomischen Krisenphänomene der frühen 1970er‑Jahre gemeint, die nach den beiden vorausgehenden Jahrzehnten des Wirtschaftswachstums für den Westen neue Problemhorizonte eröffneten. Während man auf der sicherheitspolitischen Ebene mit KSZE, SALT und MBFR neue internationale Kooperationen geschaffen hatte, blieb das für den wirtschaftlichen Bereich noch ein Desiderat. Im Sommer 1975 fand deshalb das erste Treffen der Staats‑ und Regierungschefs der G7 (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und USA) im französischen Rambouillet statt. Weitere Treffen folgten im Jahresturnus. Dabei bildete sich ein mehrthematisches Aufgabenfeld heraus: die Erörterung globaler Wirtschafts‑ und Währungsfragen („Weltwirtschaftsgipfel“) sowie zunehmend auch wirtschaftlich relevanter Sonderthemen (unter anderem Energie, Verschuldung, Arbeitslosigkeit, Umweltschutz). Entsprechend groß ist das öffentliche Interesse, das die Gipfeltreffen finden – bis hin zu groß angelegten Demonstrationen von Globalisierungsgegnern. Denn die Verknüpfung von globaler Wirtschaft und Politik wird hier in einer ganz besonderen Weise sicht‑ und greifbar. Zugleich sind die Gipfel ein „Legitimierungsinstrument“ (215) für globales politisches Agieren in einem doppelten Sinn. Enrico Böhm benennt sie mit den Begriffen „Versicherheitlichung“ (270) und „Selbstvergewisserung“ (310). Denn Wirtschaftspolitik gewinnt zunehmend eine Sicherheitsdimension und bedarf im Zuge immer stärkerer globaler Verflechtung einer internationalen Handlungsgemeinschaft, die die Staats‑ und Regierungschefs deshalb in ihrem Auftreten auch entsprechend inszenieren. Das wurde 1998 verstärkt, als die G7 durch Russland zu den G8 erweitert wurden. Die gegenwärtigen Ukraine‑Ereignisse lassen diese Erweiterung jedoch überdenken. Wie in den Anfangsjahren der G7 könnte bei einem dauerhaften Verzicht auf Russlands Beteiligung dann auch wieder das ursprüngliche Generalthema in den Mittelpunkt rücken: die Sicherheit des Westens. Enrico Böhm hat die Geschichte der ersten sieben Gipfeltreffen gerade auch für die Politikwissenschaft kenntnisreich aufbereitet.
Klaus Kremb (KK)
Dr., Oberstudiendirektor, Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler, Lehrbeauftragter, Fachgebiet Politikwissenschaft, TU Kaiserslautern.
Rubrizierung: 4.432.682.612.642.3134.1 Empfohlene Zitierweise: Klaus Kremb, Rezension zu: Enrico Böhm: Die Sicherheit des Westens. München: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37082-die-sicherheit-des-westens_45245, veröffentlicht am 15.05.2014. Buch-Nr.: 45245 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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