Martin Nonhoff (Hrsg.)

Diskurs – radikale Demokratie – Hegemonie. Zum politischen Denken von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe

Bielefeld: transcript Verlag 2007 (Edition Moderne Postmoderne); 247 S.; kart., 25,80 €; ISBN 978-3-89942-494-2
Die von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe 1985 publizierte Studie „Hegemony and Socialist Strategy“ (dt. 1991) ist ein viel beachtetes Werk der neueren hegemonietheoretischen Debatte, die Ansätze von Saussure und Gramsci, Freud, Lacan und Derrida aufgreift und die diskursive Verfasstheit des Sozialen unterstreicht. Mit der These, soziale Realität sei stets durch Machthandeln konstituiert, ohne dass es je zur dauerhaften Hegemonie eines politischen Lagers käme, grenzen sich Laclau/Mouffe gleichermaßen von objektivistischen Spielarten des Marxismus wie von (allerdings weit zu fassenden) liberalen Theorien ab. Der dabei verwendete umfassende Begriff des Politischen – demzufolge alle sozialen Beziehungen zum Feld antagonistischer Auseinandersetzungen werden können – richtet sich einerseits gegen die Annahme verselbstständigter (ökonomischer) Strukturen, andererseits gegen das liberale Ideal einer letztlich auf Wert- oder Interessenkonsens beruhenden demokratischen Gesellschaft. Nicht allein, aber doch ausdrücklich gegen deliberative Ansätze wird mit dem Modell des agonistischen Pluralismus eine Konzeption vertreten, für die Konflikt und Dissens grundlegende Bedingungen ebenso des Politischen wie der Demokratie darstellen. Dieses Modell der radikalen Demokratie ist gerade auch für eine Reihe von aktuellen Themen der politischen Theorie – so das Verhältnis von Nationalstaaten und Globalisierung, Formen politischer Öffentlichkeit, Voraussetzungen populistischer Bewegungen – außerordentlich relevant und wird seit einigen Jahren auch in der deutschen sozialwissenschaftlichen Debatte zunehmend diskutiert. Die Beiträge geben teils einen Überblick über die Rezeption der Überlegungen Laclaus/Mouffes, teils setzen sie sich mit dieser hegemonietheoretischen Perspektive kritisch unter begrifflichen, methodischen und empirischen Aspekten auseinander. Der Sammelband ist aus einem 2005 am Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen durchgeführten Workshop hervorgegangen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 | 5.46 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Martin Nonhoff (Hrsg.): Diskurs – radikale Demokratie – Hegemonie. Bielefeld: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/28693-diskurs--radikale-demokratie--hegemonie_33833, veröffentlicht am 04.06.2008. Buch-Nr.: 33833 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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