Sonja Witte

Einflussgrad der deutschen kommunalen Ebene auf die Politikgestaltung der EU

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2013 (Kommunalwirtschaftliche Forschung und Praxis 22); 482 S.; geb., 83,95 €; ISBN 978-3-631-62841-6
Politikwiss. Diss. Osnabrück; Begutachtung: R. Kleinfeld, R. Wortmann. – Die Diskussion über die Weiterentwicklung der Europäischen Union wird zwar von internationalen und nationalen Akteuren dominiert, der Integrationsprozess stellt aber gerade die lokale Ebene vor weitreichende Herausforderungen. Mittlerweile wurden zwar Studien zu den Auswirkungen der europäischen Integration auf die kommunale Ebene veröffentlicht, aber es existieren nur wenige empirische Befunde zum Einfluss der Kommunen auf die europäische Ebene. Deshalb lautet die Leitfrage der Arbeit: „Welchen Einfluss kann die deutsche kommunale Ebene auf den Politikgestaltungsprozess der EU ausüben?“ (22) Auf der Basis einer umfangreichen Dokumentenanalyse und 26 teilstandardisierten Experteninterviews untersucht Sonja Witte, ob kommunale Akteure einen Einfluss auf die europäische Richtlinie zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr und die Dienstleistungskonzession hatten. In den beiden Fallstudien setzt sich die Autorin über einen Zeitraum von jeweils 20 Jahren sehr detailliert mit den Ausgangsinteressen der beteiligten Akteure sowie deren Veränderung im Politikgestaltungsprozess auseinander. Als theoretische Grundlage greift sie dabei auf den akteurszentrierten Institutionalismus zurück, wonach politische Entscheidungen das Resultat von Interaktionen zwischen individuellen, kollektiven und korporativen Akteuren sind, die von dem jeweiligen institutionellen Kontext, in dem sie stattfinden, beeinflusst werden. Für beide Fallstudien kann ein Einfluss der kommunalen Ebene auf die Politikgestaltung nachgewiesen werden. Während die Einflussnahme der kommunalen Akteure bei der Zahlungsverzugsrichtlinie zeitlich sehr spät erfolgte, war diese bei der Dienstleistungskonzession bereits in einer frühen Phase der Politikgestaltung nachweisbar. Im Falle Letzterer variiert die Einflussstärke der kommunalen Akteure zudem im Zeitverlauf. Im Schlusskapitel nutzt Witte die Ergebnisse der Fallstudien, um allgemeine Aussagen zur Interessenvermittlung zu treffen. Auf der Grundlage dieser Schlussfolgerungen formuliert sie abschließend sieben Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Interessenvertretung der deutschen Kommunen in der EU.
Markus Tausendpfund (MTP)
Dr., Diplom-Sozialwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, FernUniversität in Hagen
Rubrizierung: 2.325 | 3.3 | 3.1 | 3.5 | 3.7 Empfohlene Zitierweise: Markus Tausendpfund, Rezension zu: Sonja Witte: Einflussgrad der deutschen kommunalen Ebene auf die Politikgestaltung der EU Frankfurt a. M. u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36108-einflussgrad-der-deutschen-kommunalen-ebene-auf-die-politikgestaltung-der-eu_44241, veröffentlicht am 29.08.2013. Buch-Nr.: 44241 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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