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Christian Steineck / Phillan Joung / Ole Döring

Embryonenforschung in Japan, Korea und China

Freiburg i. Br./München: Verlag Karl Alber 2008 (Ethik in den Biowissenschaften – Sachstandsberichte des DRZE 9); 175 S.; kart., 15,- €; ISBN 978-3-495-48358-9
Angesichts der Fortschritte in der embryonalen Stammzellenforschung steht die rechtliche Legitimität des Umgangs mit menschlichen Embryonen auf dem Prüfstand. Sowohl rechtliche Bestimmungen als auch die ethische Wahrnehmung weisen nationale Besonderheiten auf, die sich in den unterschiedlichen Verläufen der jeweiligen politischen Diskurse niederschlagen. Vor dem Hintergrund dieser Diskurse untersuchen die Autoren die rechtlichen Rahmenbedingungen in der Embryonenforschung in Japan, Korea und China. Christian Steineck sieht Japan vor dem Dilemma, dass das Land zwar in der internationalen Spitzenforschung mitwirken möchte, sich aber auch der Wahrung der Menschenwürde in seiner Biomedizin verpflichtet sieht. Diese Konfliktsituation habe sich trotz der vollständigen Trennung von Staat und Religion in restriktiven Bestimmungen niedergeschlagen, die allerdings auf der administrativen Ebene langsam flexibilisiert würden. Phillan Joung begreift die koreanische Debatte als stark durch den Fälschungsskandal um Woo-suk Hwang geprägt, der eine Verschärfung der nationalen Gesetzeslage zur Folge hatte. Die chinesischen Regelungen hingegen werden von Ole Döring als mit denen in Europa und Amerika vergleichbar bewertet. Dies allerdings mit der Besonderheit, dass in China kein bioethischer Diskurs geführt werde und die Forschungspraxis unabhängig von normativen Vorgaben weitestgehend pragmatischen Zielsetzungen folge. Vor diesem Hintergrund erscheine den Chinesen der Verbrauch überzähliger Embryonen als grundsätzlich ebenso legitim wie der jedes anderen sensiblen Gewebes. Döring merkt an, dass der die Forschung begrenzende humane Schutzgedanke dadurch verstärkt werde, dass in China insbesondere die Interessen der menschlichen Spender bzw. Spenderinnen namentlich bei der Eizellenspende berücksichtigt würden.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.68 | 2.263 | 5.44 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Christian Steineck / Phillan Joung / Ole Döring: Embryonenforschung in Japan, Korea und China Freiburg i. Br./München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32407-embryonenforschung-in-japan-korea-und-china_38669, veröffentlicht am 08.07.2010. Buch-Nr.: 38669 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken