Gerhard Hauck / Ilse Lenz / Hanns Wienold (Hrsg.)

Entwicklung, Gewalt, Gedächtnis. Festschrift für Reinhart Kößler

Münster: Westfälisches Dampfboot 2015; 407 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-89691-720-1
Als sich die Globalisierung in den 1990er‑Jahren vertiefte, wurde es Zeit für eine „kritische Weltsoziologie“ (9), die sich unter anderem mit grenzüberschreitenden Phänomenen wie Entwicklung, ökologische und ökonomische Ungleichheit sowie der strukturellen Gewalt beschäftigt, so die Herausgeber. Im Fokus stehen dabei Akteur_innen, die Veränderungen bewirken können: Befreiungsbewegungen, aber auch staatliche und zivilgesellschaftliche Institutionen. Ein Pionier der Weltsoziologie ist Reinhart Kößler. Für ihn wurde der Sammelband als Festschrift herausgegeben. Er ist ehemaliger Direktor des Arnold‑Bergstraesser‑Instituts und Professor für Politik in Freiburg. Außerdem ist Kößler Mitgründer von „Peripherie. Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt“. Viele Autor_innen der Beiträge wirken ebenfalls an dem Fachblatt für Entwicklungstheorie und ‑politik mit. Christa Wichterich befasst sich mit den diesbezüglichen Aspekten von Gender. Sie macht aufmerksam auf Widersprüche, etwa wenn sich die Weltbank aus ökonomischer Perspektive für Frauenförderung einsetzt und dabei auf den Feminismus beruft. Postkoloniale und intersektionale Theorie verbänden dagegen globale Gleichheit und Geschlechtergerechtigkeit. Die neoliberale Globalisierung schaffe mit ihren standardisierten Strukturen indessen eine gute Ausgangsbasis für die Gender‑Bewegung. Zunehmend betonte „kulturelle Differenzen und identitäre Zugehörigkeiten“ (62) seien dagegen neue Hindernisse. Bettina Engels untersucht Hungerrevolten in Burkina Faso und damit ein Thema, das weit über das Recht auf Nahrung hinausgeht. Nicht überall habe durch steigende Preise mitverursachter Hunger zu Protesten geführt. Die Revolten seien vielmehr als sozialer Kämpfe vor allem der jungen Teil weitgreifender Menschen und der Mittelschicht zu sehen. Etablierte, gut organisierte soziale Bewegungen, zentral auch die Gewerkschaften, hätten die breite Mobilisierung erst möglich gemacht, die auch „als Fortsetzung früherer Austeritätsproteste“ (212) zu sehen seien.
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Rubrizierung: 1.34.442.652.672.682.22.212.222.234.41 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Gerhard Hauck / Ilse Lenz / Hanns Wienold (Hrsg.): Entwicklung, Gewalt, Gedächtnis. Münster: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39028-entwicklung-gewalt-gedaechtnis_47362, veröffentlicht am 29.10.2015. Buch-Nr.: 47362 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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