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Alexandra Schwell

Europa an der Oder. Die Konstruktion europäischer Sicherheit an der deutsch-polnischen Grenze

Bielefeld: transcript Verlag 2008 (Kultur und soziale Praxis); 348 S.; 32,80 €; ISBN 978-3-89942-970-1
Phil. Diss. Frankfurt/O.; Gutachter: W. Schiffauer, M. Buchowski. – „‚Guck mal, da ist eine verhaftet worden!’“ (141) Nein, diese Vermutung von Reisenden an einem deutsch-polnischen Grenzübergang war falsch, die Autorin beobachtete mit behördlicher Genehmigung den gemeinsamen Arbeitsalltag deutscher und polnischer Grenzbeamter. Ihr Ziel war es zu untersuchen, wie europäische Sicherheit ganz konkret hergestellt wird, wobei der Untersuchungszeitraum zwischen dem Beitritt Polens zur EU und dem zum Schengener Abkommen liegt. Ausgangspunkt der Studie ist die These, dass sich die europäische Integration „nach dem Ende des Kalten Krieges in Ermangelung spezifischer kultureller Identifikationsmerkmale auf eine Sicherheitsidentität [stützt], die sich vornehmlich aus Abgrenzung definiert“ (307). Die Autorin erklärt eingangs die Bedeutungen einer Grenze, die von der Kontrolllinie eines Staates bis zur Grenzziehung der kollektiven Identität sozialer Gruppen reicht. Dann geht sie auf die Rahmenbedingungen polizeilicher Kooperation ein. Herzstück der Studie ist die Feldforschung an verschiedenen Grenzübergängen, gefolgt von Betrachtungen über die deutsch-polnische Geschichte und die Schwierigkeiten des Kennenlernens (Boundaries), über den Einfluss der Behörden auf den Arbeitsalltag (Borders) sowie über die Rolle Polens als Juniorpartner in einer auf ihre Sicherheit bedachten EU (Frontiers). Schwell konstatiert eine Asymmetrie, die zum einen aus der Rolle Polens als ein neues EU-Land, das sich noch bewähren muss, rührt, zum anderen aber auch aus den sozialen Unterschieden zwischen den Grenzbeamten dies- und jenseits der Oder. Aber obwohl Sprachschwierigkeiten die Zusammenarbeit erschwerten und Vorurteile nicht abgebaut seien, sei die deutsch-polnische Zusammenarbeit sowohl hinsichtlich der Arbeitsergebnisse als auch mit Blick auf das gegenseitige Kennenlernen vorsichtig positiv zu bewerten. Die Autorin fiel während ihrer Recherche übrigens doch noch einmal aus ihrer beobachtenden Rolle: Ein Reisender hielt sie für eine Zivilbeamtin und zeigt ihr seinen Pass. Sie hat ihn durchgewinkt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.2 | 3.6 | 4.22 | 4.21 | 2.61 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Alexandra Schwell: Europa an der Oder. Bielefeld: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29906-europa-an-der-oder_35430, veröffentlicht am 03.12.2008. Buch-Nr.: 35430 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken