Markus Hesse

Europäische Weltraumpolitik – Sicherheitspolitische Aspekte

Berlin: Duncker & Humblot 2012 (Chemnitzer Europastudien 14); 393 S.; 98,- €; ISBN 978-3-428-13858-6
Diss. TU Chemnitz; Begutachtung: B. Neuss, M. Niedobitek. – Markus Hesse analysiert den Zusammenhang zwischen Sicherheits- und Weltraumpolitik. Damit trägt er zur Debatte über Sicherheit bei der Entwicklung europäischer Weltraumpolitik bei. Die Untersuchung bezieht sich vorwiegend auf den Zeitraum von 2003 bis 2011, da in dieser Phase mit dem Grün- und Weißbuchprozess die EU-Sicherheitspolitik auf eine neue Stufe gehoben wurde. Grundlagen der Untersuchung sind qualitative Inhaltsanalysen und Experteninterviews sowie Hintergrundgespräche. In einem ersten Schritt diskutiert Hesse den europäischen Sicherheitsdiskurs und stellt fest, dass es unter den europäischen Akteuren keinen Konsens hinsichtlich des Sicherheitsbegriffs gibt. Sodann widmet sich der Autor der sicherheitspolitischen Bedeutung der Weltraumpolitik der EU und der European Space Agency (ESA). Hesse konstatiert, dass der Weltraum ein sicherheitspolitischer Machtfaktor und ein Interaktionsraum zwischen den beteiligten Akteuren ist, der seit 2003 eine zunehmende Bedeutung innerhalb der EU-Sicherheitspolitik einnimmt. Allerdings beobachtet er dabei eine mangelnde Kohärenz und Abstimmung im Hinblick auf verschiedene, von ihm als Fallbeispiele herangezogene Weltraumprojekte wie etwa das Satellitennavigationssystem Galileo oder das Global Monitoring for Environment and Security. Da diese Projekte noch zu sehr auf nationaler statt auf europäischer Ebene umgesetzt werden, schlägt Hesse vor, dass die EU, die ESA und die jeweiligen Mitgliedstaaten die Weltraumprojekte effizienter organisieren und ein integriertes europäisches Weltraumprogramm entwickeln. Um die Abstimmung zu verbessern, hält er es für notwendig, die Projekte auf europäischer Ebene anzusiedeln, eine institutionelle Neuordnung der EU-ESA-Beziehungen mit klaren Kompetenzverteilungen zu schaffen und einen Sonderbeauftragten für europäische Weltraumpolitik zu ernennen. Dabei könnte der Weltraumrat das Gremium werden, das verbindliche Entscheidungen für EU und ESA in der Weltraumpolitik fällt. Dies sind nur einige Vorschläge in diesem interessanten Buch. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es den bisher häufig vernachlässigten Zusammenhang von Weltraum- und Sicherheitspolitik klar herausstellt.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 3.6 | 4.3 | 3.5 | 2.61 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Markus Hesse: Europäische Weltraumpolitik – Sicherheitspolitische Aspekte Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35544-europaeische-weltraumpolitik--sicherheitspolitische-aspekte_42882, veröffentlicht am 24.01.2013. Buch-Nr.: 42882 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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