Axel Lüdeke

"Europäisierung" der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik? Konstitutive und operative Europapolitik zwischen Maastricht und Amsterdam

Opladen: Leske + Budrich 2002 (Forschung Politik 158); 507 S.; kart., 36,90 €; ISBN 3-8100-3408-8
Die Europäisierung nationalstaatlicher Politik ist ein Untersuchungsfeld, das - aus dem Bereich des Europarechtes stammend - seit der Mitte der Neunzigerjahre auch in die Internationalen Beziehungen Einzug gehalten hat. Europäisierung kann in einem doppelten Sinne verstanden werden: nämlich einerseits als diejenigen Adaptionsprozesse innerhalb eines Staates, die aus einer vertieften Kooperation oder sogar Integration innerhalb der EU erwachsen sind und andererseits als die freiwillige Übertragung einzelner politischer Entscheidungen an europäische Institutionen bzw. die Ausweitung von Kooperation in diesen. Lediglich im zweiten Sinne verwendet der Autor den Begriff, wenn er von einem „Prozeß der programmartigen Multilateralisierung und Institutionalisierung dieses Politikfeldes im Rahmen der EG/EU und ihrer Mitgliedstaaten" (26) spricht. Der Europäisierungsgrad der deutschen Außenpolitik komme sowohl im bundesrepublikanischen Beitrag zur Aufstellung von Normen und Regeln der Kooperation („constitutive politics") als auch in der Gestaltung der operativen Außenpolitikgestaltung der EU („regulative politics") zum Ausdruck. Vor diesem theoretischen Hintergrund untersucht Lüdeke in Fallstudien drei Politikfelder im Zeitraum zwischen 1991 und 1997. Die stärksten Europäisierungstendenzen erkennt er im Bereich der konstitutiven Europapolitik: Die Bundesregierung war unter den EU-Mitgliedstaaten am ehsten zu einer Vertiefung der Kooperation im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik bis hin zur Vergemeinschaftung bereit. Zwar war auch in den beiden operativen Feldern eine Europäisierungsbereitschaft erkennbar, diese erwies sich jedoch vor allem angesichts der Entwicklungen im Jugoslawien-Konflikt als brüchig und machte einer Renationalisierung der deutschen Außenpolitik temporär Platz. Aus dem Inhalt: 3. Deutschland und die Entwicklung der GASP: Von Maastricht nach Amsterdam; 4. Deutsche und europäische Außenpolitik gegenüber (Ex-) Jugoslawien (1991-1997); 5. Deutsche und europäische Außenpolitik gegenüber Polen (1991-1997).
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.21 | 3.6 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Axel Lüdeke: "Europäisierung" der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik? Opladen: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/16596-europaeisierung-der-deutschen-aussen--und-sicherheitspolitik_19060, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19060 Rezension drucken

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