Hristina Markova

Exzellenz durch Wettbewerb und Autonomie? Deutungsmuster hochschulpolitischer Eliten am Beispiel der Exzellenzinitiative

Konstanz/München: UVK Verlagsgesellschaft 2013; 315 S.; 39,- €; ISBN 978-3-86764-456-3
Soziolog. Diss. Heidelberg; Begutachtung: M. Pohlmann, J. Borchert. – Hristina Markova widmet sich der Frage nach „den Deutungsmustern hochschulpolitischer Eliten auf Bundes‑ und Landesebene, die im Gespräch über die Exzellenzinitiative reproduziert werden“ (13). Vielfach werde die Vermutung geäußert, dass „Markt und Wettbewerb“ (26) zu den Leitprinzipien der deutschen Hochschulpolitik geworden seien und sich neoliberale Orientierungen in diesem Bereich durchgesetzt hätten. Maßnahmen wie etwa die Einführung von Studiengebühren, der Bologna‑Prozess oder die Exzellenzinitiative deuteten auf einen Wandel der Denkmuster hin: Weniger die Gewährleistung der formalen Gleichheit zwischen den Universitäten stehe im Vordergrund politischer Bemühungen, sondern vielmehr die Förderung von Wettbewerb, Profilierung und Autonomie. Die Universität habe sich zu einer betriebswirtschaftlich geführten Organisation entwickelt, die sich durch ein einheitliches Organisationsziel und eine strategische Organisationsführung auszeichne. Ist diese in der Öffentlichkeit vielfach vorhandene Vorstellung einer „‚ökonomisierten Hochschule‘, orientiert an den Erfordernissen des Marktes“ (282), zutreffend? Markova wählt einen qualitativen, wissenssoziologisch ausgerichteten Zugang, um die Denk‑ und Handlungsweise der leitenden Akteure im Hochschulbereich zu rekonstruieren. Zu diesem Zweck hat sie Interviews mit Ministern für Wissenschaft und Forschung, Staatssekretären sowie Mitgliedern von Parlamentsausschüssen auf Bundes‑ bzw. Landesebene geführt. Auf dieser Grundlage kommt sie zu dem Ergebnis, dass die Universität ganz im Sinne des New Public Managements die Gestalt einer autonomen Einheit erhalten hat, die eigenständig staatlich zugewiesene Mittel verwaltet, über deren Verwendung entscheidet und in Konkurrenz zu anderen Universitäten steht. „Von Loslösung der Universität von den Institutionen des Staates“ (283) könne nicht die Rede sein. Prinzipien des Neoliberalismus im Sinne von Hayeks und Friedmans seien nicht erkennbar, vielmehr dominierten die Vorstellungen „eines starken intervenierenden Staates, der zwar Wettbewerb fördert, zugleich aber dessen Folgen unter dem Vorzeichen eines [...] ausgeprägten Gleichheits‑ und Gerechtigkeitsstrebens durch weitere staatliche Interventionen zu vermeiden versucht“ (286). Die Exzellenzinitiative stelle „eine politische Interventionsmaßnahme mit dem Ziel der verbesserten Positionierung deutscher Hochschulen in der ‚globalen Wissenschaftswelt‘ dar“ (289).
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.343 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Hristina Markova: Exzellenz durch Wettbewerb und Autonomie? Konstanz/München: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36661-exzellenz-durch-wettbewerb-und-autonomie_44583, veröffentlicht am 30.01.2014. Buch-Nr.: 44583 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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