Werner Zittel

Fracking. Energiewunder oder Umweltsünde?

München: oekom verlag 2016; 238 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-86581-770-9
Der Begriff Fracking bezeichnet umgangssprachlich eine Fördertechnologie zur Erschließung letzter verbliebender Reserven an Gas und Öl. Seit die USA diese Technologie mit großem Erfolg anwenden, wird ihr Einsatz auch international diskutiert – so auch in Deutschland. Werner Zittel, ausgewiesener Bergbauexperte und Mitglied der Energy Watch Group, legt mit seinem Buch eine knappe, aber präzise Einführung in dieses äußerst komplexe und polarisierende Themenfeld vor. Ausgehend von einer nüchternen Betrachtung der technischen und ökonomischen Grundlagen, erläutert er die (möglicherweise) vorhandenen Mengen an unkonventionellem Öl und entsprechendem Gas und ihre wirtschaftliche Bedeutung. Darauf aufbauend beschreibt er ausführlich die Situation in den USA, da bisher nur dort die Technologie im industriellen Maßstab eingesetzt wurde. Die USA dienen daher auch als Beispiel, um die potenziellen Umweltgefahren zu illustrieren und die wirtschaftlichen Gründe des Fracking‑Booms kritisch zu hinterfragen. Im Weiteren wendet sich der Autor nun der Situation in Deutschland zu, wo die Technologie enorm umstritten ist. Auch hier werden mögliche Gewinne und Risiken genannt und der Stand der politischen Regulierung zusammengefasst. Abschließend erläutert Zittel den europäischen und internationalen Stand einer möglichen Fracking‑Anwendung und Regulierung. Zittel hat eine kenntnisreiche und reflektierte Einführung geschrieben, in der die reine Faktenlage präzise zusammengefasst und gleichzeitig möglichen Gefahren und Risiken sowie allgemeinen Bedenken umfassend Platz eingeräumt wird. In Anbetracht der scharfen Kontroverse in der Fracking‑Debatte, die nicht nur in Deutschland eine sachliche Einschätzung erschwert, zeichnet sich dieses Buch daher durch seine Ausgewogenheit besonders aus. Dennoch verschweigt der Autor nicht, dass es sich – entgegen befürwortender Erwartungen – beim Fracking um eine Technologie handelt, die das Zeitalter der fossilen Energieversorgung verlängert und eine Energiewende konterkariert. Daher plädiert er in seinem Resümee auch folgerichtig, diesen „konsequenten nächsten Schritt der fossilen Energiewirtschaft“ (185) nicht mitzugehen, sondern stattdessen alle politische Energie auf einen umfassenden Ausbau erneuerbarer Energien zu richten.
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Rubrizierung: 4.452.2632.2612.642.3412.343 Empfohlene Zitierweise: Martin Repohl, Rezension zu: Werner Zittel: Fracking. München: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39840-fracking_48274, veröffentlicht am 21.07.2016. Buch-Nr.: 48274 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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