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Dörte Dinger

From Friends to Collaborators. A constructivist Analysis of Changes in Italo-German relations with the End of the Cold War

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Internationale Beziehungen 19); 377 S.; brosch., 59,- €; ISBN 978-3-8329-7752-8
Diss. Bremen; Begutachtung: R. Baumann, B. Zangl. – Während der Amtszeit von Ministerpräsident Berlusconi war nicht zu übersehen, dass es um die bilateralen Beziehungen zwischen Italien und Deutschland nicht gut steht. Ist damit im Verhältnis beider Länder eine Veränderung sichtbar geworden, die bereits mit dem Ende des Kalten Krieges einsetzte? Um dieser Frage nachzugehen, analysiert Dörte Dinger mithilfe eines konstruktivistischen Theorieansatzes die Beziehungen in den Dimensionen Interaktion, Interesse und Identität bezogen auf drei Politikbereiche. Dabei werden jeweils Vorfälle aus der Zeit vor und nach dem Kalten Krieg herangezogen, um die Entwicklung aufzuzeigen. Aus dem Bereich der bilateralen Beziehungen wählt die Autorin zum einen Andreottis Affront gegenüber Deutschland durch die Infragestellung der Wiedervereinigung und zum anderen Berlusconis Beleidigung Deutschlands in Form eines Nazivergleichs aus. Die Frage nach der Mitgliedschaft Italiens in der damaligen G5 und nach einem ständigen Sitz des vereinten Deutschlands im Sicherheitsrat deckt den Bereich multilateraler Beziehungen in Form von Statuskonflikten ab. Das Thema einer Süd‑ beziehungsweise nach 1990 Osterweiterung der EU mit unterschiedlichen Interessen der beiden Länder stellt dann den Bereich der europäischen Politik dar. Auf der Grundlage von Experteninterviews, Presseberichten und Regierungsdokumenten kann die Autorin einen Wandel in den Beziehungen insofern nachweisen, als in allen Beispielen die Betonung von Gemeinsamkeiten, Solidarität und Partnerschaft in den Hintergrund getreten ist. Das bilaterale Bild habe sich so von einer Freundschaft zu einer Kollaboration gewandelt, in der ein auf egoistischen Interessen beruhender Pragmatismus der entscheidende Faktor geworden sei. Abschließend plädiert die Autorin für eine Erneuerung der deutsch‑italienischen Kooperation, wobei Italien womöglich neue Machtdynamiken akzeptieren müsse und Deutschland wieder vermehrt darum bemüht sein sollte, verschiedene Länderperspektiven zu integrieren, anstatt vornehmlich die eigenen Interessen durchsetzen zu wollen.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.2 | 4.21 | 4.22 | 2.61 | 4.3 | 3.7 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Dörte Dinger: From Friends to Collaborators. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35834-from-friends-to-collaborators_43647, veröffentlicht am 19.06.2013. Buch-Nr.: 43647 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken