Skip to main content
Bassam Tibi

Fundamentalismus im Islam. Eine Gefahr für den Weltfrieden?

Darmstadt: Primus Verlag 2000; XIV, 223 S.; geb., 39,90 DM; ISBN 3-89678-163-
Tibi, Professor für Internationale Beziehungen in Göttingen, will mit dieser allgemein verständlich geschriebenen Studie Ergebnisse der amerikanischen, unter Leitung von Samuel P. Huntington betriebenen Fundamentalismusforschung einem breiteren Publikum in Deutschland vorstellen. Das Buch fußt auf Arbeiten, die der Verfasser im Rahmen des Huntington-Projektes "Conflict or Convergence - Global Perspective on War, Peace, and International Order" zwischen 1988 und 1993 an der "American Academy of Arts and Sciences" und anschließend zwischen 1997 und 1999 an der "Harvard Academy for International and Area Studies" erstellt hat (XI). Stärker als es bei Huntington der Fall ist, geht Tibi von einer grundsätzlichen Differenz aus zwischen dem Islam (als einer mit Demokratie verträglichen Weltreligion) und der Ideologie des Islamismus, die - Erscheinungsform religiösen Fundamentalismus - unvereinbar ist mit demokratischen Standards (149 f.). In dieser Perspektive stellt der Islamismus für Tibi eine "defensiv-kulturelle Antwort auf die kulturelle Moderne" dar (165), die er - nach einer knappen Vorstellung eines allgemeinen Fundamentalismusbegriffs (13 ff.) - zunächst an spezifischen Ordnungsvorstellungen (Kritik des Nationalstaats, De-Säkularisierung, Entwestlichung des Rechts) analysiert (36 ff.). Im Anschluss werden Zusammenhänge zwischen "Fundamentalismus und Weltpolitik" (149) - primär sicherheitspolitische Konsequenzen und Spielarten eines religiös motivierten Terrorismus - diskutiert (133 ff.). Inhalt: Der religiöse Fundamentalismus: Eine neue weltpolitische Ideologie auf der Schwelle zum neuen Jahrtausend; 1. Was heißt religiöser Fundamentalismus? Begriff und Realität der Politisierung der Religion; 2. Der religiöse Fundamentalismus im Islam: Seine Vision einer neuen Weltordnung als Alternative zur Pax Americana; 3. Fundamentalismus islamischer Prägung im Zivilisationskonflikt; 4. Der säkulare Nationalstaat als Zielscheibe der Fundamentalisten; 5. Die fundamentalistische Alternative: Die Gottesherrschaft versus demokratischer Frieden; 6. Fundamentalismus und die Entwestlichung des Rechts: Die islamische Schari'a als Ordnungsnorm; 7. Die Islamisierung des Rechts im Zivilisationskonflikt: Das Beispiel des Hisbah-Gesetzes in Ägypten; 8. Iran: Die erste fundamentalistische Revolution in der Welt des Islam und ihr Export; 9. Sicherheitspolitik im Zeitalter des Fundamentalismus: Eine andere Weltpolitik nach dem Ende des Kalten Krieges; 10. Fundamentalismus, Extremismus und Terrorismus: Wie der Westen damit umgehen kann; 11. Der Fundamentalismus ist keine vorübergehende Erscheinung in der Weltpolitik: Schlußfolgerungen und zentrale Thesen.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 4.45 | 4.41 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Bassam Tibi: Fundamentalismus im Islam. Darmstadt: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/12241-fundamentalismus-im-islam_14617, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14617 Rezension drucken