Roland Baader

Geldsozialismus. Die wirklichen Ursachen der neuen globalen Depression

Gräfelfing: Resch Verlag 2010; 166 S.; 13,90 €; ISBN 978-3-935197-57-1
Der Autor legt eine Streitschrift vor, die sich vordergründig gegen die Zentralbanken richtet, er spricht von „staatsmonopolistischem Zwangsgeld“ und einem „zentralplanwirtschaftlichen System des Zinsdiktats“. Geld, das sich nicht unter Marktbedingungen bilde, habe keinen realen Gegenwert, so Baaders Grundüberlegung. Aber als Vertreter der Österreichischen Schule und in der Tradition Friedrich August von Hayeks geht seine Kritik natürlich weiter: Wie könne es angehen, dass auch das Bildungswesen, das Gesundheitswesen und das Rentensystem „als kollektivistische Staatsapparate“ (5) konstruiert seien? Baader sieht hier einen grundsätzlichen Konstruktionsfehler der Markwirtschaft unter die er die genannten gesellschaftlichen Teilbereiche schlicht subsumiert. Er plädiert für ein Geldsystem ohne Zentralbank. Die Ausgabe von Bargeld und Depositengeld wäre hierbei den Privatbanken überlassen – „ohne gesetzliche Vorgaben oder Beschränkungen“ (151). Den Regierungen stünde es lediglich noch frei zu entscheiden, in welchem Zahlungsmittel die Steuern zu entrichten seien. Die gegenwärtige Weltfinanzkrise sei keine konjunkturelle Krise, keine Liquiditäts- oder Konsumkrise, sondern eine Verschuldungskrise, die durch ein „Falschgeldsystem des papierenen fiat money und seinen Betreibern, den Regierungen und Zentralbanken“ (127) verursacht sei. Nebenher rechnet Baader polemisch mit dem Ökonomen Joseph Stiglitz ab. Dieser identifiziert u. a. die Finanzwirtschaft als mitverantwortlich. Leider hält Baader es jedoch nicht für nötig, sich mit dessen Argumenten auseinanderzusetzen. Er klagt kämpferisch und ein wenig zeitverloren den „Kultur-Marxismus der Achtundsechziger-Revolution mit seiner Zersetzung der Strukturen und Institutionen der Gesellschaft – wie Erziehung, Familie, Recht, Medien und Religion“ (130) an. Die marktlibertäre Haltung des Autors bildet also eine seltsame Mixtur mit reaktionären gesellschaftspolitischen Betrachtungen. Geschmacklos wird Baader, wenn er den „polit-ökonomischen Keynes-Virus als eine Art Aids des Kapitalismus“ (136) bezeichnet.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.43 | 2.22 | 2.2 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Roland Baader: Geldsozialismus. Gräfelfing: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21637-geldsozialismus_39371, veröffentlicht am 19.11.2010. Buch-Nr.: 39371 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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