Gotthard Breit / Stefan Schieren (Hrsg.)

Gerechtigkeit in der Demokratie. Eine Einführung

Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 2009 (uni studien politik); 139 S.; 9,80 €; ISBN 978-3-89974473-6
Kaum ein Thema ist in der gegenwärtigen Diskussion über Managergehälter und „betriebsbedingte Kündigungen“ wohl aktueller als das der „Gerechtigkeit“, verstanden vor allem als soziale, letztendlich auch „Vermögensgerechtigkeit“. Warum dürfen sich Manager, die ein Unternehmen ruiniert haben, noch Bonuszahlungen überweisen lassen? Ist das nicht ungerecht? Oder sind derartige Vorkommnisse gar nicht aus der Perspektive des Begriffs „Gerechtigkeit“ zu betrachten? Obwohl diese Fragen auf den ersten Blick nicht im Mittelpunkt der fünf Beiträge dieses Sammelbandes stehen, können jedenfalls einige von ihnen durchaus Hilfestellungen für Antworten auf sie geben. Dies gilt zum Beispiel für den Beitrag von Uwe Andersen, der akribisch und mithilfe eines großen Zahlenwerks der Frage nachgeht, wie es eigentlich mit der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland aussieht, wobei auf den letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung Bezug genommen wird, dessen Zahlen wiederum den Stand von 2005 wiedergeben. Naturgemäß findet auch Andersen keine Antwort auf die uralte Frage, wann denn eine Vermögensverteilung „gerecht ist“. So wird schon in seinem Beitrag, mehr noch aber in dem Ortrud Leßmanns deutlich, wie schwer die „Berechnung“ von Armut (oder vice versa wohl auch „Reichtum“) tatsächlich ist – und wie schwer die Rechtfertigung von Einkommensunterschieden somit ist. Andersen leitet so mit seinem Hinweis auf die „Neiddebatte“ zugleich fast nahtlos zum Beitrag von Breit über, der sich der „gefühlten Ungerechtigkeit“ (83 ff.) widmet, die viele Rentner in Deutschland offenbar empfinden. Die An- oder Abwesenheit von Gerechtigkeit, und das wird schließlich auch im sehr lesenswerten Beitrag von Sabine Berghahn deutlich, ist vor allem eine Frage des individuellen Gefühls – ich kann mich ungerecht behandelt fühlen, auch wenn Recht gesprochen worden ist. Eingeleitet wird der Sammelband durch eine historisch-philosophische Darstellung der gesamten Problematik von Daniel Hildebrand, die allerdings nicht ganz einfach zu lesen ist.
Sven Leunig (SVL)
Dr., Politologe, Akademischer Rat, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.svenleunig.de).
Rubrizierung: 1.3 | 2.22 | 2.331 | 5.41 Empfohlene Zitierweise: Sven Leunig, Rezension zu: Gotthard Breit / Stefan Schieren (Hrsg.): Gerechtigkeit in der Demokratie. Schwalbach/Ts.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30526-gerechtigkeit-in-der-demokratie_36241, veröffentlicht am 13.05.2009. Buch-Nr.: 36241 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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