Wolfgang Bauer

Geschichte der chinesischen Philosophie. Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus. Hrsg. von Hans van Ess

München: C. H. Beck 2001; 339 S.; brosch., 24,54 €; ISBN 3-406-47157-9
Muss man, um einen Überblick über chinesische Philosophie zu erhalten, unbedingt wissen, dass Hegels "aufheben" als ao-fu-he-bian (29) wiedergegeben wird und dass dies in chinesischen Schriftzeichen auch "dunkel-beugen-hell-verändern" (30) heißt? Wenn man Wittgensteins Diktum dahin umwendet, dass man davon schweigen müsse, was man nicht schreiben kann, dann ist diese Kenntnis aufschlussreich. Sie zeigt zugleich die Sorgfalt, mit der der 1997 verstorbene Bauer in diesem von seinem Nachfolger auf dem Münchener Lehrstuhl edierten Band vorging. Philosophie wird hier nicht als Abfolge klassischer Texte verstanden, sondern aus der Geschichte und eben auch Sprache heraus erklärt. Damit gelingt ein Überblick über Zusammenhänge, Schulen und Denkstrukturen, der die Zeit vom 6. vorchristlichen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts umfasst. Dies ist selbst bei der im Vergleich zu Europa höheren Kontinuität chinesischen Denkens nur dadurch möglich, dass Bauer sich auf die Grundstrukturen stützt. Typisches und Außergewöhnliches werden nicht als Selbstzweck berichtet, sondern insoweit sie zum Verständnis des Kontextes beitragen. Politische und "normale" Philosophie lässt sich in China ohnehin nicht einfach voneinander trennen, und da der Band erklärtermaßen nicht nur für Fachkollegen geschrieben ist, stellt er auch für die Politikwissenschaft eine Bereicherung dar. Inhaltsübersicht: I. Wesensmerkmale der chinesischen Philosophie; II. Ausgangspunkte der chinesischen Philosophie; III. Konfuzius und der Beginn der chinesischen Philosophie; IV. Mo Di und seine Nachfolger; V. Die Daoisten und ihre Vorläufer; VI. Polarisierungstendenzen im Konfuzianismus; VII. Die Legalisten und das Ende der Ära der Philosophen; VIII. Der Konfuzianismus als Staatsideologie; IX. Die "Dunkel-Schule"; X. Das Eindringen des Buddhismus; XI. Die buddhistischen Grundlehren; XII. Der chinesische Frühbuddhismus; XIII. Die buddhistischen Schulen in China; XIV. Die buddhistischen Schulen chinesischen Ursprungs; XV. Die konfuzianische Erneuerung; XVI. Kosmologie und die Wiederentdeckung des Seins; XVII. Polarisierungstendenzen im Neokonfuzianismus und die Synthese des Zhu Xi; XVIII. Der Rückzug nach innen; XIX. Die Selbstauflösung des Konfuzianismus.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.34 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Wolfgang Bauer: Geschichte der chinesischen Philosophie. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/14002-geschichte-der-chinesischen-philosophie_16778, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16778 Rezension drucken

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