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Wolfgang Hein / Peter Fuchs (Hrsg.)

Globalisierung und ökologische Krise

Hamburg: Deutsches Übersee-Institut 1999 (Schriften des Deutschen Übersee-Instituts 43); 289 S.; 38,- DM; ISBN 3-926953-42-X
Die in der Bundesrepublik wieder in den Hintergrund tretende Diskussion über nachhaltige Entwicklung wird mit dem modischen Globalisierungsbegriff in Verbindung gebracht. Wer neben Altvater und Beck etwas deutschsprachiges zu den (welt-)gesellschaftlichen Rahmenbedingungen lesen möchte, kann in diesem Sammelband fündig werden. Der Zusammenhang von Globalisierung und ökologischer Krise wird von Hein theoretisch eingeleitet. Seine Überlegungen formuliert er vor dem Hintergrund der kritischen Internationalen Politischen Ökonomie (IPE) und mit dem Vokabular der Regulationstheorie. Globalisierung, wie sie uns aktuell begegnet, birgt die Gefahr, die Umsetzung von Strategien nachhaltiger Entwicklung zu blockieren. Das postfordistische Akkumulationsmodell bewirkt, dass das angestrebte Konzept der nachhaltigen Entwicklung durch das praktizierte Konzept der nachholenden Entwicklung in Frage gestellt wird. Auch die Formel der Reduktion von stoffstromintensiven Produktionen in Industrieländern zu Gunsten der Entwicklungsländer, greift für Hein zu kurz. Mit sieben Thesen skizziert er die mögliche Entwicklung und Aufgaben transnationaler Politik im Rahmen einer komplexen Weltgesellschaft. Die vielen praktischen Beiträge helfen, einen Einblick in die konkreten Problemlagen zu bekommen. Jakobeits Beitrag zu den neueren Finanzinstrumenten gibt Aufschluss darüber, welcher Art die Motivation der Geber- und Nehmerländer ist und wie sich die Einflußsphären der Akteure verändern. Der Finanzierung von Umweltprojekten eben durch die Globale Umweltfazilität (GEF) wird erst in den neunziger Jahren durch nationale Umwelt- und Entwicklungsfonds ein durch die Entwicklungsländer inspiriertes Modell entgegengesetzt. In beiden Fällen wird zwar durch die Industrieländer finanziert, jedoch stand die GEF anfänglich noch sehr stark unter der Kontrolle der Weltbank, während die nationalen Umweltfonds weitgehend unabhängig von den Geberländern operieren können. Interessant ist, dass diese nationalen Fonds bislang kaum untersucht wurden, obwohl ihr Volumen etwa einer Milliarde US-Dollar entspricht. War, wie der Name auch vermuten läßt, die GEF der Bekämpfung globaler Umweltprobleme (Ozon, Klima, Artenvielfalt und internationale Gewässer) vorbehalten, ist dies bei den Fonds anders. Die betroffenen Staaten können ihre eigene Umwelt- und Entwicklungspolitik gestalten und sind dabei der Kontrolle zivilgesellschaftlicher Akteure ausgesetzt, was auch ein Resultat einer sich globalisierenden Zivilgesellschaft ist. Inhalt Wolfgang Hein: Postfordistische Globalisierung, Global Governance und Perspektiven eines evolutiven Prozesses "Nachhaltiger Entwicklung" (13-76); Edgar Fürst: Globaler Ressourcenverbrauch, Umweltraum und ökologischer Strukturwandel – Implikationen für die Nord-Süd-Beziehungen (77-124); Kurt Hübner: Globale Geld- und Finanzmärkte und sozial-ökologischer Pfadwechsel. Politische Handlungsmöglichkeiten und ökonomische Zwänge (125-151); Fred P. Gale: Greening Ricardo: Toward a Theory of Selective Trade in an Era of Sustainable Globalization (153-164); Cord Jakobeit: Globale Umweltfazilität (GEF) oder nationale Umwelt- und Entwicklungsfonds? Organisatorisch-institutionelle Formen ökologisch motivierter Finanztransfers zwischen Industrie- und Entwicklungsländern im Vergleich (165-193); Andreas Missbach: Internationale Klimapolitik: Weltinnenpolitik oder Innenpolitik der USA? (195-230); Christoph Görg / Ulrich Brand: Globale Umweltpolitik und nationalstaatliche Konkurrenz. Zur Regulation der biologischen Vielfalt (231-264); Gabriela Kütting: International Political Economy of Environmental Change and the Effectiveness of the Mediterranean Action Plan (265-288).
Bernhard Stelzl (BHS)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.43 | 2.261 | 2.64 | 2.262 Empfohlene Zitierweise: Bernhard Stelzl, Rezension zu: Wolfgang Hein / Peter Fuchs (Hrsg.): Globalisierung und ökologische Krise Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/11292-globalisierung-und-oekologische-krise_13377, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 13377 Rezension drucken