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Philippe Koch

Governancewandel und Demokratie in Schweizer Agglomerationen. Politische Steuerung und Integration des öffentlichen Personennahverkehrs

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Modernes Regieren. Schriften zu einer neuen Regierungslehre 7); 254 S.; 44,- €; ISBN 978-3-8329-5942-5
Diss. Zürich; Begutachtung: D. Kübler. – „Agglomerationen werden oftmals als Orte verstanden, die einzig durch ihre Siedlungsstruktur – oder weniger akademisch ausgedrückt: durch den typisch mittelständischen Siedlungsbrei – gekennzeichnet sind“ (13), schreibt Koch. Diese schweizerische Siedlungsform stelle aber keinen Sonderfall dar, sondern sei im Zuge der Verstädterung überall in der Welt zu finden. „In Agglomerationen verschränken sich globale Wandlungsprozesse und finden ihre lokale[n] Ausformulierungen.“ (16) Der Autor hat sich damit also einen Untersuchungsgegenstand ausgesucht, der über die Schweiz hinausgehende Erkenntnisse erwarten lässt. Dies gilt auch für den Politikbereich, der ihm für seine Fallstudien dient: die Verkehrspolitik. Analysiert wird der Zeitraum der quasi ungeordneten Politikgestaltung bis 2001, in diesem Jahr erst stellte der Bundesrat die Schweizer Agglomerationspolitik auf eine neue Basis. Im Mittelpunkt stehen vor allem drei Fragen: Wie hat sich die Governance des öffentlichen Personennahverkehrs in Schweizer Agglomerationen zwischen 1945 und 2000 verändert? Welche Gründe verursachten einen Wandel? Besteht eine Beziehung zwischen dem Governancewandel und der demokratischen Legitimität der politischen Steuerung in den untersuchten Fallbeispielen? Bei diesen handelt es sich um den öffentlichen Personennahverkehr in den Agglomerationen Zürich, Bern, Lausanne und Luzern. Erhellend sind Ergebnisse wie die, dass sich der Governancewandel meist in zwei Wellen vollzog. In Bern etwa wandten sich Kommunen und Kanton politisch wie institutionell der Region zu, inhaltlich glichen sich ihre „verkehrspolitischen Erzählungen“ (145) im Zuge der Debatte über das Waldsterben an – der Individualverkehr verlor an Bedeutung. In Zürich wurden Planungen für den öffentlichen Personenverkehr anfangs zwar auch von einem privaten Komitee vorgenommen, die Zuständigkeit der öffentlichen Hand aber nicht infrage gestellt und schließlich die weitere Entwicklung des öffentlichen Verkehrs „den politischen Zufällen und Machtspielen“ (118) entzogen. Insgesamt wird deutlich, dass „Governancewandel in weiten Teilen mit policy-Wandel verwoben ist“ (231), angebunden etwa an die Neuinterpretation bestehender Probleme und keineswegs nur funktionalen Erfordernissen folgend; Legitimitätsansprüche wie Legitimitätsbeschaffung wandeln sich. Wie die Untersuchung gezeigt habe, schreibt Koch zudem, sei die generelle „These from government to governance [...] weder theoretisch noch empirisch haltbar“ (233).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.5 | 2.21 | 2.263 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Philippe Koch: Governancewandel und Demokratie in Schweizer Agglomerationen. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33859-governancewandel-und-demokratie-in-schweizer-agglomerationen_40571, veröffentlicht am 03.11.2011. Buch-Nr.: 40571 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken