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Jonas Rest

Grüner Kapitalismus? Klimawandel, globale Staatenkonkurrenz und die Verhinderung der Energiewende

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011 (VS Research: Energiepolitik und Klimaschutz); 252 S.; 29,95 €; ISBN 978-3-531-18235-3
Politikwiss. Diplomarbeit FU Berlin. – Entgegen aller hoffnungsvollen Publikationen der vergangenen Monate versucht Rest in seiner Arbeit nachzuweisen, „dass die bisherigen politischen wie ökonomischen Entwicklungen nicht darauf hindeuten, dass sich eine Transformation zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft abzeichnet“ (15). Damit widerspricht der Autor explizit dem von Newell und Paterson mehrfach vertretenen Standpunkt, dass sich momentan eine neue Kapitalismusform entwickeln könnte, die sich mit den Anforderungen des Klimaschutzes vereinbaren lasse. Seine These versucht Rest zu belegen, indem er die eine kohlenstoffarme Wirtschaft auszeichnenden Merkmale aufspürt und sie auf ihre reale Wirkmächtigkeit hin überprüft. Insgesamt drei Merkmale sind zu nennen: (1) klimapolitische Instrumente, (2) Dynamiken der globalen Ökonomie sowie (3) staatliche Energie- und Klimapolitik. Rest benutzt für seine Analyse einen akteurszentrierten polit-ökonomischen Ansatz innerhalb der Internationalen Politischen Ökonomie, der auf der historisch-materialistischen Staatstheorie Nicos Poulantzas’ basiert. Für die staatlichen Akteure beschränkt sich der Autor auf die EU (hier vor allem Deutschland), die USA und China, für die nichtstaatlichen Akteure auf multi- und transnationale Konzerne sowie fossile und grüne Industriebranchen. Der „Zwang zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlich-ökonomischen Reproduktionsprozesses und damit [die] Garantie der Kapitalverwertung“ (32) ist mit dem gewählten Ansatz ein Interesse des Staates – dementsprechend ist es wegen seiner eigenen finanziellen Liquidität für den Staat notwendig jenes Lobbyinteresse zu formulieren, das „den vorherrschenden kapitalistischen Verwertungsinteressen entspricht oder entgegenkommt“ (32). Mithilfe dieser moderat materialistischen IB-Theorie gelingt es Rest, seine eingangs aufgestellte These zu verifizieren: Sowohl die unternehmerische Logik der fossilen Branchen als auch die unter kompetitivem Druck stehenden Staaten verhindern eine Transformation des Kapitalismus. Diese gut strukturierte, quellengesättigte und sprachlich präzise Diplomarbeit lässt auf eine mindestens ebenso gute Dissertation hoffen.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 4.45 | 2.68 | 2.64 | 3.5 | 2.261 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Jonas Rest: Grüner Kapitalismus? Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34257-gruener-kapitalismus_41115, veröffentlicht am 20.10.2011. Buch-Nr.: 41115 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken