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Anina Engelhardt / Laura Kajetzke (Hrsg.)

Handbuch Wissensgesellschaft. Theorien, Themen und Probleme

Bielefeld: transcript Verlag 2010 (Sozialtheorie); 374 S.; 25,80 €; ISBN 978-3-8376-1324-7
Die Wissensgesellschaft hat als Zeitdiagnose mittlerweile in vielfacher Hinsicht andere Termini wie die Risiko- oder die Erlebnisgesellschaft verdrängt. Die Frage, ob wir tatsächlich in einer Wissensgesellschaft leben, kann angesichts der Tatsache, dass Wissen immer schon ein unverzichtbarer Bestandteil sozialer und ökonomischer (Re-)Produktionsprozesse gewesen ist, schwerlich in zufriedenstellender Weise beantwortet werden. Von Bedeutung ist vielmehr die Frage, ob sich die Funktion wie auch der Charakter von Wissen nachhaltig verändert hat. In insgesamt 28 Beiträgen und einem resümierenden Kapitel gehen die Autorinnen des Bandes dem nach. Im ersten Teil des Buches sind frühe Zeitdiagnosen versammelt, welche gewissermaßen als Wegbereiter der Rede von der Wissensgesellschaft gesehen werden können (Drucker, Bell, Beck und Castells). Es folgt eine Darstellung gesellschaftstheoretischer Ansätze, in denen es explizit um die Wissensgesellschaft geht (Stehr, Willke, Gorz, Knorr Cetina). Die restlichen drei Hauptteile drehen sich um Definition, Einfluss und Bedeutung der Wissensgesellschaft in gesellschaftlichen Teilbereichen (wie etwa Politik, Wirtschaft, Medien oder Erziehung) und Themenfeldern (etwa Arbeit und Sozialstaat, Technik oder Ökologie). Darin widmen sich die Autoren einer kritischen Betrachtung des Begriffs. Zusammen genommen zeigen die Aufsätze vor allem eines deutlich: Unabhängig davon, ob sich die Funktion von Wissen in den letzten Dekaden tief greifend gewandelt hat oder ob die Wissensgesellschaft als gesellschaftstheoretisches Raster taugt, hat ihre Popularität im politischen und ökonomischen Diskurs doch greifbare Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung. Sie kann etwa als Legitimationsbasis für ganz unterschiedliche Transformationsprozesse dienen (beispielsweise die um sich greifende Subjektivierung von Arbeitsverhältnissen oder die Entwicklung vom vorsorgenden zum aktivierenden Sozialstaat), zugleich schürt sie Erwartungshaltungen, verändert Hierarchien und Rollenverteilungen – der Glaube an die Wissensgesellschaft wird damit zur „self-fulfilling prophecy“. Knapp und verständlich, aber wissenschaftlich fundiert, richten sich die Beiträge des Buches an Studierende, Forschende und allgemein Interessierte gleichermaßen.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Anina Engelhardt / Laura Kajetzke (Hrsg.): Handbuch Wissensgesellschaft. Bielefeld: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32546-handbuch-wissensgesellschaft_38847, veröffentlicht am 15.02.2011. Buch-Nr.: 38847 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken