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Hans Kundnani: Eurowhiteness. Culture, Empire and Race in the European Project

11.04.2024
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Autorenprofil
Dr. Daniel Keil
London, Hurst & Company 2023

Die EU verdrängt ihre koloniale Vergangenheit und europäische Identität ist nicht das Gegenteil von Nationalismus. So lassen sich zwei zentrale Thesen des vorliegenden Buchs zusammenfassen. Daniel Keil lobt Kundnanis Leistung, offenzulegen, wie stark die positive Selbstbeschreibung Europas als fortschrittlich mit dem historischen Fakt kollidiere, dass die Abgrenzung zu Nicht-Weißen entscheidend zur Herausbildung der europäischen Idee beigetragen habe. Kritisch sieht Keil hingegen Kundnanis Analyse der europäischen Erinnerungspolitik, die auf einem ungenauen Verständnis des Begriffs „Zivilisationsbruch“ beruhe. (dk)


Eine Rezension von Daniel Keil

Die koloniale Geschichte der Europäischen Integration ist in der offiziellen Geschichtsschreibung der EU ein blinder Fleck. In den Audioguides des Hauses der europäischen Geschichte findet die Bedeutung kolonialer Verhältnisse im europäischen Einigungsprozess nach 1945 keine Erwähnung. Weder, dass fünf der sechs Gründungsmitglieder der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl und später der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft selbst eine Vergangenheit als Kolonialmächte hatten, noch, dass zum Zeitpunkt der Römischen Verträge 1957 nicht nur Frankreich, die Niederlande und Belgien noch aktive Kolonialmächte waren, sondern auch Italien als koloniale Macht fungierte, da sich die ehemalige Kolonie Somaliland bis 1960 unter italienischer Verwaltung befand. Verdrängt wird solchermaßen, dass gerade Frankreich die Europäische Integration zunächst auch als Chance begriff, die Kolonien zu erhalten und ein „Eurafrika“ zu entwickeln (vgl. Hansen/Jonsson 2014). Auch dass unter der Überschrift „Assoziierung der überseeischen Länder und Hoheitsgebiete“ (VEWG Art. 131 ff.) die noch bestehenden Kolonien zu einem Teil des europäischen Wirtschaftsraums wurden, sodass „neunzig Prozent des Territoriums des Gemeinsam Marktes tatsächlich jenseits der Grenze Europas“ lagen (Slobodian 2019: 262) wird in der offiziellen Geschichtsschreibung ausgeblendet.

Das offizielle Narrativ von Europa als Friedensmacht und (tendenziell) kosmopolitischer Überwindung der Gewaltförmigkeit des Nationalismus basiert auf dieser Verdrängung. Das ist der Punkt an dem Hans Kundnani mit seiner Analyse einsetzt. Er kritisiert namentlich Jürgen Habermas und Ulrich Beck für ihre Konzeptionalisierung der Europäischen Union (EU) als Vorschein einer Weltgesellschaft und weist dabei die Annahme zurück, die EU und europäische Identität seien das Gegenteil des Nationalismus. Dagegen spricht Kundnani vom Mythos des kosmopolitischen Europas (15 ff.) und plädiert dafür, die EU viel eher als Ausdruck eines Regionalismus zu verstehen, der starke Ähnlichkeiten zum Nationalismus aufweise und nicht dessen Gegenteil darstelle (15). Neben der Verfolgung dieser Hauptthese möchte Kundnani das Verhältnis der Ideen von „Europe and whiteness“ erkunden und auf dieser Basis eine Interpretation der jüngsten Entwicklung der EU, insbesondere seit der Eurokrise 2010 (7) und vor allem mit Blick auf den Brexit (153 ff.) liefern.

Zur Begründung seiner These, dass es sich bei der europäischen Identität eher um einen Regionalismus denn um Kosmopolitismus handele, bezieht er sich zunächst auf Hans Kohns Unterscheidung von „civic“ und „ethnic nationalism“, um das Verhältnis von europäischer zu nationaler Identität zu fassen. Während Kohn den westlichen Nationalismus, insbesondere der USA, als „civic“ und den östlichen Nationalismus als „ethnisch“ fasst, hebt Kundnani hervor, dass in der Realität jeder Nationalismus Elemente beider Idealtypen aufweise (23). Daraus folgt für ihn, dass der europäische Regionalismus eben kein reiner Verfassungspatriotismus oder staatsbürgerlicher Nationalismus sei, sondern auch ethnische Elemente aufweise. „Like national identities in Europe, modern European Identity emerged out of the Enlightenment, producing a racialised, rationalist identity which included both ethnic/cultural and civic elements“ (24). Nach 1945 habe sich ein Übergewicht der Elemente einer „civic Identity“ in der Europäischen Integration entwickelt, aber in der Legitimation des europäischen Projekts bezogen sich die Eliten immer zugleich auf ethnische und kulturelle Elemente europäischer Identität, sodass sich von Beginn beides untrennbar im europäischen Projekt verband. Der zweite Ansatz, auf den Kundnani sich bezieht, ist Benedict Andersons „Imagined Communities“, der besagt, dass Nationen sozial konstruiert seien. Laut Kundnani ist auch Europa eine „vorgestellte Gemeinschaft“ in diesem Sinne. Allerdings: „Europe as a region may in a sense be even more imagined than European Nations“ (25). Dies resultiere aus mehreren Unterschieden zur vorgestellten Gemeinschaft der Nation: Erstens seien die Grenzen Europas unklarer als die einer Nation, zweitens habe Europa etwas Messianisches und ähnele daher dem Christentum und drittens werde Europa von „Pro-Europeans“ als Überwindung der Souveränität gedacht. Jene Unterschiede würden allerdings derart verabsolutiert, dass ein dichotomer Gegensatz zwischen Nationalismus und europäischer Identität erzeugt werde. „By exaggerating the differences between nationalism and regionalism, Europeans – and especially Germans, who tend to see the history of the nation state through the prism of their own experience with it – have also created a blind spot around the possibility that European regionalism could resemble European nationalisms“ (29).

Hieran schließt das meines Erachtens zentrale und wichtigste Argument des Buches an: Europäische Identität ist kein Gegensatz zum Nationalismus, sondern wurde ähnlich zur nationalen Identität geformt: „that is, against others“ (32). Während die Literatur über europäische Identität dieses „Andere“ der europäischen Identität nun im Nationalismus verortet und daraus eine substantielle Differenz zwischen europäischer und nationaler Identität entwirft, argumentiert Kundnani, dass nationale Identitäten jeweils gegen andere Europäer*innen geformt wurden, die europäische Identität aber gegen Nicht-Europäer*innen/Nicht-Weiße: „From the Enlightenment onwards, and especially in the colonial era, non-white people around the world became Europe’s ‚constitutive outsiders‘“ (33). Das europäische Othering verband den Kolonialismus mit der Aufklärung und ergab einen europäischen „civilisationalism“. Aus dieser Perspektive kann die oftmals ausgeblendete rassistische Dimension europäischer Identität sichtbar gemacht und aktuelle politische Entwicklungen auf europäischer Ebene dementsprechend analysiert werden.

Im Anschluss an diese grundlegende Einführung und Entwicklung der These, zeichnet Kundnani in einem großen historischen Bogen die Entwicklung des europäischen Otherings nach: von der Schlacht von Tours und Poitiers über Karl den Großen, die Kreuzzüge, die Anfänge der Kolonisation im 15. Jahrhundert über die Entwicklung der Sklaverei, die Aufklärung bis zu Coudenhove-Kalergis Pan-Europa-Bewegung. Als zentraler Umschwung wird die Kolonisation begriffen. Während in den frühen Zeiten Europa mit Christentum assoziiert wurde, entwickelte sich im 16. Jahrhundert die synonyme Verwendung von „white“ und „European“, wobei zusätzlich „white“ in Abgrenzung zu den Kolonisierten mit „civilized“ verbunden wurde (51). Jene Vorstellung von Kolonisation als zivilisierender Mission wirke bis in die Gegenwart.

Etwas näher an der Gegenwart zeichnet Kundnani die europäische Integration nach dem Zweiten Weltkrieg nach. Zunächst steht dabei die Bedeutung des Kolonialismus für die europäische Integration im Fokus. In der Frühphase der Integration sei die koloniale Frage von großer Bedeutung gewesen, da Frankreich und Belgien als Gründungsmitglieder noch große Kolonien besaßen und fünf der sechs Gründungsländer eine koloniale Vergangenheit hatten. Insbesondere für Frankreich sei die Integration auch ein Versuch gewesen, über die Idee von „Eurafrika“ die Kolonien zu erhalten, nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen. Die Inklusion der afrikanischen Kolonien in den gemeinsamen Markt, so die Vorstellung, sichere den Zugriff Frankreichs auf die dortige Produktion und zugleich würde dies gegen den Weltmarkt durch Zölle abgesichert (vgl. Hansen/Jonsson 2014: 147ff.). Die Dekolonisierungsprozesse und die Erweiterungen der Integration habe dann allerdings zum Vergessen der Kolonialgewalt geführt. Dieses Vergessen sei mit dem Wandel der EU (und ihrer Vorläufer) zu einem Projekt der Erinnerung einher gegangen, das sich um den Zweiten Weltkrieg drehte. Besondere Bedeutung für die europäische Identität habe dabei die Erinnerung an die Shoah erlangt.

Der Wandel zur Erinnerungsgemeinschaft, die den Kolonialismus vergesse, wird so mit der Entwicklung des Holocaust-Gedenkens verknüpft und erhält bei Kundnani trotz der wichtigen Feststellung der Verdrängung der kolonialen Gewalt eine problematische Wendung, die einigen gegenwärtig geführten Debatten um die richtige Erinnerung zugrunde liegt: „Privileging the Holocaust, and insisting on its uniqueness, obscured its connections with colonialism and slavery“ (93). Damit wird die Verdrängung des Kolonialismus direkt aus einer Privilegierung des Holocaust und der Singularitätsthese abgeleitet. Dieser problematischen Bestimmung liegen einige Ungenauigkeiten zugrunde, die gerade an diesem sensiblen Punkt zu reflektieren sind. Kundnani schreibt, dass sich in den 1960er-Jahren in Deutschland die Erinnerung an den Nationalsozialismus und an Auschwitz etabliert habe und in den 1980er-Jahren zum Element der offiziellen Kultur der Bundesrepublik geworden sei. Seit den 1990er-Jahren sei die deutsche Erinnerungskultur europäisiert und inhaltlich vom Werk Adornos beeinflusst worden: „German Holocaust memory centred on the idea of Auschwitz as a Zivilisationsbruch, or ‚civilisational break‘ – that is a uniquely evil event which represented a radical rupture with European or human civilisation up to that point“ (91). Die Ungenauigkeiten betreffen dabei einerseits die Entwicklung der Erinnerungspolitik selbst, die zwar Vorläufer in den 1980er-Jahren hatte – in der Rede von Weizsäckers 1985 und im Historikerstreit von 1986/87 – aber in den 1990er-Jahren in Deutschland eine neue Fahrt aufnahm, die mit der Entwicklung eines neuen nationalen Selbstbewusstseins verbunden war (vgl. z. B. Caborn 2006; Keil 2015). Es ist richtig, dass Anfang der 2000er-Jahre die deutsche Form der Erinnerungspolitik europäisiert wurde, insbesondere die Verhandlung von Auschwitz als negativem Gründungsmythos (92). Dadurch wurde tatsächlich eine problematische Form der Erinnerung installiert, die aber von Beginn an eine des Vergessens war, und zwar nicht nur des Kolonialismus, sondern auch von Auschwitz selbst. Bereits in den 1990er-Jahren wurde dies kritisiert: „they remember in order to forget“ (Geyer/Hansen 1994).

Teil dieses Vergessens ist die Umdeutung des Begriffs „Zivilisationsbruch“. Die Vorstellung von Auschwitz als Bruch mit der Zivilisation ermöglicht eine Entkopplung der Gegenwart von der Vergangenheit und verlegt die unerträgliche Gewalt in eine vorzivilisatorische Dimension. Diesen Gebrauch kritisiert Kundnani zurecht. Allerdings übersieht er, dass „Zivilisationsbruch“ bei dem Historiker Dan Diner, auf den der Begriff zurückgeht, nicht den Bruch mit der Zivilisation, sondern das Zerbrechen der Zivilisation meint.Da Kundnani die genauere Bestimmung des Zivilisationsbruchs bei Diner trotz entsprechenden Verweises nicht diskutiert, kommt es zu einer Schieflage im Argument. Für Diner besteht der Zivilisationsbruch nicht in der unfassbaren Gewalt, sondern im Durchbrechen einer Schranke: der Schranke der „Selbsterhaltung der Täter“ (Diner 2003: 22). Die Vernichtung vollenden zu wollen, auch gegen die eigene Selbsterhaltung, sei ein Bruch auch mit instrumenteller Vernunft und damit ein Durchbrechen einer universalen Schranke. Die Übernahme des Begriffes Zivilisationsbruch durch die deutsche Politik entsorgte ebenfalls diese zentrale Begriffsbestimmung und re-interpretierte sie in einer zivilisationistischen Form, die den vermeintlichen Bruch mit der Zivilisation betont. Jenen Unterschied allerdings nicht zu benennen, kann darauf hinauslaufen, die Auseinandersetzung der Kritischen Theorie mit dem Nationalsozialismus und Auschwitz mit derjenigen der herrschenden Politik zu verwechseln, beides als zivilisationistisch zu verwerfen und dadurch eine unkritische bis relativierende Position zur Shoah zu unterstützen, wenn auch möglicherweise ungewollt

Hiernach wendet sich Kundnani der jüngeren Vergangenheit der EU zu und untersucht zunächst, wie sich in der Außenpolitik der EU eine „new civilising mission“ (97 ff.) entwickelt habe. Dabei spannt er den Bogen vom Jugoslawienkrieg über die EU-Osterweiterung bis zu den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei und arbeitet die Widersprüche zwischen dem Selbstverständnis der EU als zivilisierende, demokratische Kraft, die ihre Politik nach Normen und Werten ausrichte und der Realität, in der sie das Ziel der Abschottung Europas verfolge, heraus. Die EU-Osterweiterung habe beispielsweise zu einem stärkeren Bezug auf die christlichen Traditionen geführt, der an die 1950er-Jahre erinnere (117). Zugleich seien zunächst Restriktionen der Reisefreiheit für Osteuropäer*innen installiert worden, die den eigentlichen Werten der EU widersprachen (108). Damit sei die „Eurowhiteness“ nach innen nochmals hierarchisch strukturiert worden. Nach außen, insbesondere Richtung Süden, blieben die Grenzen allerdings hart, und sowohl beim Verhältnis zur Türkei als auch zu den afrikanischen Staaten blieb die Politik der EU weniger von Werten geprägt als vielmehr von der Vorstellung eines ethnischen oder kulturellen Europas. Mit den vielfältigen Krisenerscheinungen seit der Eurokrise entwickelte sich zudem eine neue europäische Machtpolitik, die von einem zunehmenden zivilisationistischen Denken pro-europäischer Kräfte flankiert worden sei (142).

Den Abschluss des Buches bildet ein Kapitel mit einer Interpretation des Brexits, die eine neue Perspektive entwickelt. Während landläufig das Votum für den Brexit nicht zuletzt mit rassistischen Abschottungsfantasien erklärt wird, lenkt Kundnani den Blick auf die eine Million „non-white british citizens“ (160), die für den Brexit gestimmt hatten. Dies erklärt er mit Erfahrungen mit der europäischen Migrationspolitik und insbesondere den Einreiseschwierigkeiten für Familienangehörige, selbst bei einfachen Besuchen. Die EU zeige sich so als „white fortress“ (161). Damit eröffnet Kundnani tatsächlich eine bisher verborgene Perspektive, die er als Chance für eine neue Beschäftigung mit der kolonialen Vergangenheit diskutiert und zugleich schlussfolgert, dass der Brexit in Großbritannien zu einer größeren Diversifizierung der Bevölkerung führe: „the UK will become a more multicultural and multiracial society“ (169). Allerdings diskutiert er leider nicht die britische Politik der versuchten Verschärfungen des Migrationsrechts, die gerichtlich gestoppten Versuche, ein Abkommen mit Ruanda zur Aufnahme von abgeschobenen Geflüchteten auszuhandeln, die Einrichtung eines Geflüchtetengefängnisses auf einer Art schwimmenden Insel vor der Küste, welches ebenfalls aufgegeben werden musste. Hier zeigt sich ein kleines Problem, das sich im gesamten Buch wiederfindet: Kundnani neigt an manchen Stellen zur Vereindeutigung. Insbesondere in der Charakterisierung der „Pro-Europeans“, gegen die er anschreibt, bleibt durch das gesamte Buch unklar, wer damit genau gemeint ist. Mal sind es Politiker*innen (unterschiedlicher Couleur), mal sind es Wissenschaftler*innen. Dadurch bleibt manches leider etwas vage. Nichtsdestotrotz bietet das Buch eine wichtige Kritik der Verdrängung des Kolonialismus in der EU und eröffnet neue Perspektiven, die in der Europaforschung bisher weitgehend fehlen. Daher ist Eurowhiteness, trotz der Schwächen, ein sehr lesenswertes Buch.


Literatur

  • Caborn, Joannah (2006): Schleichende Wende. Diskurse von Nation und Erinnerung bei der Konstituierung der Berliner Republik, Münster.
  • Diner, Dan (2003): Den Zivilisationsbruch erinnern. Über Entstehung und Geltung eines Begriffs. In: Uhl, Heidemarie (Hrsg.): Zivilisationsbruch und Gedächtniskultur. Das 20. Jahrhundert in der Erinnerung des beginnenden 21. Jahrhunderts. Innsbruck u,a. 17-34.
  • Geyer, Michael/Hansen, Miriam (1994): German-Jewish Memory and National Consciousness, in: Hartmann, Geoffrey H. (Hrsg.): Holocaust Remembrance. The Shapes of Memory, Oxford Cambridge, 175-190.
  • Hansen, Peo/Jonsson, Stefan (2014): Eurafrica. The Untold History of European Integraiton and Colonialism. London/New York.
  • Keil, Daniel (2015): Territorium, Tradition und nationale Identität: eine staatstheoretische Perspektive auf den Wandel nationaler Identität in der europäischen Integration. Münster.
CC-BY-NC-SA
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Weiterführende Links

Gurminder K. Bhambra, Hans Kundnani, Helen Thompson, Mike Wilkinson

Eurowhiteness: culture, empire and race in the European project 

London School of Economics Event

 

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