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Ottomar Löhr

Heraus aus dem Turm. Dr. Hermann Schmitt-Vockenhausen und die Entwicklung der SPD zur Volkspartei. Eine biographische und regionale Studie (Main-Taunus-Region)

Online-Publikation 2013 (http://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/files/31683/Loehr_Ottomar.pdf); 337 S.
Diss. Frankfurt a. M.; Begutachtung: M.‑L. Recker, A. Fahrmeir. – Hermann Schmitt‑Vockenhausen (1923‑1979) war über ein Vierteljahrhundert lang SPD‑Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Groß‑Gerau, klarer Befürworter des Godesberger Programms, von 1960 bis 1969 Vorsitzender des Innenausschusses und in dieser Funktion auch beteiligt an den Notstandsgesetzen. Von vielen nur als „HSV“ bezeichnet, hatte der kantige Politiker sowohl Fürsprecher als auch Gegner. „Mehr als 30 Jahre nach seinem Tode scheint es mir deshalb geboten, den Weg des Menschen und Politikers Dr. Hermann Schmitt‑Vockenhausen aus dem Taunus darzustellen, seine Politik zu analysieren, seine Wirkung damals und seine Bedeutung für Gegenwart und Zukunft zu untersuchen sowie sein Lebenswerk insgesamt zu würdigen“ (7). Für diese Ziele wertet Ottomar Löhr, der laut Vorwort diese Arbeit als Rentner abgefasst hat, die Veröffentlichungen des Politikers, Archivunterlagen, Sitzungsprotokolle sowie Dokumentationen aus und führt außerdem Gespräche mit der Witwe Ruth Schmitt‑Vockenhausen. Es ist durchaus als Löhrs Verdienst zu bezeichnen, dass er die zu Schmitt‑Vockenhausen vorhandenen Akten sichtet und wichtige Einblicke in die politischen Aktivitäten des Politikers gibt. Allerdings ist in seiner recht knappen Dissertation ausschließlich Kapitel 4 (insgesamt gut 140 Seiten) als tatsächlicher „Analyseteil“ zu betrachten, in dem Löhr vorrangig Akten‑/Protokollniederschriften direkt oder indirekt wiedergibt und Sachverhalte schildert. Eine tiefere, kritische Auseinandersetzung mit dem Politiker und seinem Agieren, seinen Erfolgen und Misserfolgen findet nicht statt. Vielmehr ist durchgängig eine – um es vorsichtig zu formulieren – starke Sympathie für Schmitt‑Vockenhausen spürbar, die sich beispielsweise in folgenden Sätzen spiegelt: „Dr. Hermann Schmitt‑Vockenhausen gehörte zu den bienenfleißigen Arbeitern für die Demokratie, nichts war ihm zuviel, rastlos und hilfsbereit hatte er immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen […] und opferte jede freie Minute für den Wahlkreis, die Region und die Lokalpolitik“ (24). Auf den Weg des „Menschen“ sowie die Bedeutung Schmitt‑Vockenhausens für Gegenwart und Zukunft geht Löhr so gut wie nicht ein. Entsprechend bleibt die Dissertation hinter den selbst gesetzten Zielen zurück, gibt aber einen Einblick in die Tätigkeit des in der Main‑Taunus‑Region verwurzelten Politikers.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3312.313 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Ottomar Löhr: Heraus aus dem Turm. 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37418-heraus-aus-dem-turm_45959, veröffentlicht am 14.08.2014. Buch-Nr.: 45959 Rezension drucken