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Mechthild Leutner / Jian Zang (Hrsg.)

Interdisciplinary Perspectives on Gender and Equality in China

Wien/Berlin: Lit 2014 (Berliner China-Hefte 44); 124 S.; brosch., 29,90 €; ISBN 978-3-643-90549-9
Mechthild Leutner, Professorin für Staat, Gesellschaft und Kultur des modernen China an der FU Berlin, und Zang Jian, Professorin am Institut für Geschichtswissenschaften und Women’s Studies Center der Universität Peking, stellen in ihrem interdisziplinären Sammelband die Frage nach der Geschlechtergleichstellung in China. Damit wollen sie nicht nur den Stand der dortigen Gender‑Forschung dokumentieren, sondern auch einen inhaltlichen, methodischen und theoretischen Austausch fördern. Aus diesem Konzept ergeben sich vielfältige Zugänge, neben der geschichtswissenschaftlichen Perspektive nehmen die Autor_innen in ihren Beiträgen auch soziologische, juristische und literaturwissenschaftliche Blickwinkel ein. Ding Juan und Li Wen kommen dabei gleich zu Beginn ihres Beitrags zu einem eindeutigen Urteil über die Situation in China: „Gender Equality has not been achieved“ (8). Die von ihnen ausgewerteten Studien zeigen, dass sich im Zuge der sozialen und kulturellen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit zwar Veränderungen in den Genderperspektiven ergeben haben, diese sind aber komplex und unterscheiden sich nach sozialen Klassen und Gruppen. Die Etablierung des Konzepts der Geschlechtergleichstellung wird dabei nach Ding und Li von zahlreichen Faktoren erschwert, zu denen unter anderem die tradierte geschlechterbasierte Arbeitsteilung, Konflikte zwischen Familienstrukturen, Familienentwicklung und individueller Entwicklungsfreiheit sowie unterschiedliche soziodemografische Faktoren zählen. Dass für Fortschritte in der Geschlechtergleichstellung auch rechtliche Faktoren entscheidend sein können, zeigt Ma Yi’nan in ihrem Beitrag zu Familienrecht und ‑politik. Als Beispiel dient ihr die Arbeit im Haushalt, die traditionellerweise von Frauen verrichtet wird. Ma liefert hierzu eine Übersicht über die Entwicklung der Rechtslage in China und macht drei konkrete Vorschläge zur Berücksichtigung von geleisteter Hausarbeit im Scheidungsfalle. Die von ihr vorgeschlagenen Bemessungsgrößen sind die Dauer der Ehe, die in der Erziehung ausgeübten und zur Unterstützung der erwerbstätigen Person in der Familie geleisteten Tätigkeiten sowie der individuelle Verzicht auf persönliche Weiterqualifikation und Bildungs‑ sowie Karrierechancen. Zusammengenommen bietet der Sammelband unterschiedliche, wenn auch häufig lediglich knappe Zugänge zu den Fortschritten und Hindernissen auf dem Weg zur Geschlechtergleichheit in China. Er ist das Ergebnis des Workshops „Interdisciplinary Women’s and Gender Studies – Chinese and German Experiences“ vom Oktober 2013 an der Universität Peking.
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Rubrizierung: 2.682.27 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Mechthild Leutner / Jian Zang (Hrsg.): Interdisciplinary Perspectives on Gender and Equality in China Wien/Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38041-interdisciplinary-perspectives-on-gender-and-equality-in-china_46190, veröffentlicht am 05.02.2015. Buch-Nr.: 46190 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken