Andreas Baumer

Kommunismus in Spanien. Die Partido Comunista de España – Widerstand, Krise und Anpassung (1970-2006)

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008 (Studien zu Ethnizität, Religion und Demokratie 9); 445 S.; brosch., 79,- €; ISBN 978-3-8329-3266-4
Diss. Rostock; Gutachter: D. Oberndörfer, J. Rösel. – „Die spanischen Kommunisten haben ihren Beitrag zur Demokratisierung des Landes mit ihrem eigenen Niedergang bezahlt“ (417). Dennoch mutet die Geschichte der Partido Comunista de España (PCE), die Baumer hervorragend recherchiert darstellt, von außen betrachtet keineswegs als Misserfolg an. Die Partei war erst zur entschiedensten Verfechterin der Republik und dann zur wichtigsten Kraft im Widerstand gegen die franquistische Diktatur geworden. 1977 schließlich, nach dem Tod Francos und angesichts des Fortwirkens der Diktatur, legalisierte sich die PCE mit einer Massendemonstration anlässlich der Beerdigung von Opfern eines faschistischen Attentats „de facto selbst“ (9). Deutlich wurde, so Baumer, dass die Partei durch ihr Vermögen, die Massen mobilisieren zu können, eine politische Kraft war, die nicht mehr übergangen werden konnte. Zwei Monate vor der Wahl des verfassunggegebenen Parlaments wurde die PCE zugelassen. Ihr Abscheiden mit einem Ergebnis von unter zehn Prozent führte den Kommunisten allerdings deutlich vor Augen, dass sie zwar einen politischen Druck zugunsten der Transition aufbauen konnten, von einem Umsturz des Systems allerdings weit entfernt waren – zumal sich weitaus mehr Wähler für die Sozialistische Spanische Arbeiterpartei (PSOE) entschieden hatten, die viel stärker für einen politischen Neuanfang stand. Die PCE stellte sich auf diese Situation ein, indem sie eine moderate und besonnene Politik verfolgte, die eine Demobilisierung der eigenen Anhänger einschloss sowie das Einverständnis, die Taten des franquistischen Regimes nicht aufzuarbeiten. Baumer beschreibt, wie diese Politik maßgeblich zum Erfolg der spanischen Transition beitrug, die PCE-Anhänger allerdings spaltete und die Partei schließlich marginalisierte. Interessant ist die dann erfolgte Gründung der Izquierda Unida (Vereinigte Linke), einer politischen Plattform, mit der die PCE den Anschluss an die neuen sozialen Bewegungen fand – eine vielleicht zukunftsweisende Entwicklung für die einstmals profilierten Eurokommunisten.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 | 2.2 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Andreas Baumer: Kommunismus in Spanien. Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29160-kommunismus-in-spanien_34462, veröffentlicht am 12.08.2008. Buch-Nr.: 34462 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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